Kommentierte Rückübersetzung der romanischen Bibelübersetzung von Rudolf Filli und Jachen Ulrich Gaudenz [[1]] ins Deutsche, zugleich eine erneuerte Sicht auf die Luther- und die Zürcher Bibel durch das Rätoromanische als Vertiefungssprache:

Psalm 23

(1) Ein Psalm Davids.

(2) Der zeichenmächtige Herr ist mein Hirte, ich entgehe jedwedem Mangel; er lässt mich bleiben auf grünender Weide, er führt mich zu frischen Wassern[1].

(3) Er gibt meiner Seele Erfrischung. Er führt mich auf rechten Wegen seines Namens zuliebe[2].

(4) Und ginge ich auch durch dunkle Täler, mich beängstigt[3] kein Übel. Denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab[4] - sie sind mein Trost.

(5) Du rüstest mir einen Tisch zu vor meinen Feinden; du salbst meinen Kopf mit Öl ein und machst übervoll meinen Kelch.

(6) Wohlergehen und Gnade begleiten mich alle Tage meines Lebens. Und ich werde für immer wohnen im Haus des Herrn.

Kommentar

  1. Verb und Adjektiv sind je einmal dynamisch (verdaint [in der Soncha Scrittüra wäre besser: verdagainta], manar) und einmal konservativ (star, frais-ch)
  2. Im Romanischen kommt durch das per amur deutlicher als in der Lutherübersetzung zum Ausdruck, dass Gott mit seinem Herzen an seinem Namen und damit an seinem Treueversprechen hängt.
  3. das romanische eu nu tem lässt phonetisch die Beklemmung anklingen, die in der deutschen Wortfamilie Angst, ängstigen (mehr als in Furcht, fürchten) liegt.
  4. im Romanischen kommt durch die Suffixe -un und -etta der Grössenunterschied deutlicher zum Ausdruck: der mächtige Stock und der zwar starke, doch kleinere Stab.