Dresden/Giovanni Battista Casanova

Giovanni Battista Casanova oder Giambattista Casanova, auch Johann Baptist Casanova (* 2. November 1730 in Venedig; † 8. Dezember 1795 in Dresden), war ein italienischer Maler und Zeichner, der überwiegend in Dresden und Rom lebte und arbeitete.

Giovanni Battista Casanova, Stich von Christian Friedrich Boetius nach einem Bild von Anton Raphael Mengs
Das von Franz Pettrich gestaltete Grab Giovanni Battista Casanovas auf dem Alten Katholischen Friedhof in Dresden.

FamilieBearbeiten

Giovanni Battista war das dritte der sechs Kinder von Gaetano Casanova (1697–1733) und Giovanna, geborene Farussi (1708–1776), die in Venedig lebten. Seine Eltern waren Schauspieler. Sein älterer Bruder Giacomo Casanova war der berühmte Abenteurer und Schriftsteller. Der als Maler ebenfalls sehr erfolgreiche Bruder Francesco Casanova war Hofmaler in Wien.

LebenBearbeiten

Der Sohn einer Schauspielerfamilie kam Anfang 1738 mit seiner Mutter, der Witwe Giovanna Casanova, nach Dresden. Deren Komödiantentruppe hatte ein Engagement an den Hof von August III. erhalten, wo das Ensemble die Unterstützung des Grafen Heinrich von Brühl genoss. Mit dem Hofstaat zog die Truppe ständig zwischen Warschau und Dresden hin und her, in Dresden wohnten die Casanovas in der Neustädter Gasse.[1]

Casanova ließ sich an der Dresdner Malerschule unter Louis de Silvestre (* 23. Juni 1675 in Sceaux; † 11. April 1760 in Paris) und Christian Wilhelm Ernst Dietrich, gen. Dietricy, ausbilden. Louis de Silvestre lebte seit 1716 als Hofmaler und später Oberhofmaler in Dresden. 1727 wurde er Direktor der Malerakademie in Dresden. Dietricy (* 30. Oktober 1712 in Weimar; † 23. April 1774 in Dresden), Sohn des Hofmalers Johann Georg Dietrich in Weimar, wurde nach seiner Übersiedelung nach Dresden 1724 von dem Landschaftsmaler Johann Alexander Thiele gefördert und 1741 von August III. zum Hofmaler ernannt.

Ausgestattet mit einem Stipendium von August III. ging Casanova etwa 1749 nach Venedig, um sich bei Giovanni Battista Piazzetta (* 13. Februar 1682 in Venedig; † 28. April 1754 ebenda) weiterzubilden. Piazzetta gilt als bedeutendster Vertreter des venezianischen Settecento, der Malerei des 18. Jahrhunderts. 1752 reiste er mit Anton Raphael Mengs (* 12. März 1728 in Aussig, Böhmen; † 29. Juni 1779 in Rom) als dessen Schüler nach Rom und wurde dessen Hausgenosse und Gehilfe. Im gleichen Jahr ging sein Bruder Francesco für fünf Jahre bis 1757 nach Dresden.

Mengs, Sohn des sächsischen Hofmalers Ismael Mengs, hielt sich von 1741 bis 1744 mit dem Vater zum Antikenstudium und zum Studium der alten Meister, vor allem von Raffael und Michelangelo, in Rom auf und wurde nach seiner Rückkehr mit siebzehn Jahren zum Kabinettmaler in Dresden ernannt. 1746 reiste Mengs ein zweites Mal nach Rom, konvertierte dort zum Katholizismus und heiratete die Römerin Margherita Guazzi. 1749 kehrte er nach Dresden zurück und wurde dort 1751 zum sächsischen Oberhofmaler am Hofe Friedrich Augusts II. ernannt und erhielt ein jährliches Gehalt von 1000 Talern. 1751 kehrte er nach Stationen in Venedig und Florenz nach Rom zurück. 1755 lernte Mengs den Archäologen und Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann kennen, der bald zu seinen engsten Freunden zählte und ihm durch seine kunsttheoretischen Vorstellungen ein neues Verständnis von der antiken Kunst vermittelte. Dadurch gewann Winckelmann großen Einfluss auf Mengs Malerei. Er bewirkte in dessen Schaffen eine Wende vom Rokoko zum Frühklassizismus, was ihn zu einem der führenden Maler der neuen Kunstrichtung werden ließ. Ebenfalls im Jahre 1755 wurde Mengs von Papst Clemens XIII. zum Cavaliere di speron d’oro („Ritter des Ordens vom Goldenen Sporn“) ernannt.

Ausgezeichnet mit dem großen Preis der römischen Akademie erhielt Giovanni Battista den Auftrag, Papst Clemens XIII. zu porträtieren. Für den König von Neapel zeichnete er Antikenfunde aus Pompeji und Herculaneum und kopierte römische Meisterwerke. Er gab auch selbst Unterricht und bildete Angelica Kauffmann, Rat Reiffenstein und Johann Joachim Winckelmann[2] aus. Von Winkelmann zeichnete er ein Profilbildnis, zudem entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zu ihm, so daß er für dessen „Monumenti antichi“ Zeichnungen entwarf, die zunächst sehr den Beifall Winckelmanns ernteten. Winkelmann empfahl daraufhin Casanova 1764 nach Dresden an Hagedorn. Bei der Berufung 1764 als Professor an die Kunstakademie entschied sich Casanova gegen Angebote aus England und Neapel.[3]

Im Dezember 1764 kam er von Rom nach Dresden zurück und wurde dort Mitbegründer, Professor und ab 1776 – gemeinsam mit Johann Eleazar Zeissig genannt Schenau (1737–1806) – Direktor der Dresdner Kunstakademie. Zu seinen Schülern gehörten Angelika Kauffmann (1741–1807), Johann Friedrich Reiffenstein (Reifenstein) (1719–1793) und Johann Joachim Winckelmann (1717–1768). Für Winckelmann zeichnete Casanova zu dessen 1767 erschienenen Monumenti antichi inediti[4] Ausgrabungsstücke aus Pompeji und Herculaneum. Nach der Einschätzung Winckelmanns war G. B. Casanova „der größte Zeichner in Rom“. Er galt bei seinen Zeitgenossen als ein hervorragender Zeichner und Kopist, hauptsächlich der Werke von Raffae].

Casanova machte sich v. a. als Lehrer und Kunstschriftsteller einem Namen. Zu seinen wichtigsten Schriften gehörten die »Abhandlungen über alte Kunstdenkmäler« (Leipzig, 1771).[5]

Er vollendete 1788 einen Lehrgang der Malerei, der aber ungedruckt blieb.

Giovanni Battista Casanova war mit Teresa Roland (1744–1779) verheiratet, mit der er mehrere Kinder hatte. Zum Zeitpunkt seines Todes wohnte er in Dresden, Lochgasse Nr. 445.[6]

Tod und GrabBearbeiten

Nach seinem Tode wurde er am 11. Dezember 1795[7] auf dem Alten Katholischen Friedhof in der Friedrichstadt beigesetzt. Das Grabmal gestaltete sein ehemaliger Schüler Franz Pettrich.

RezeptionBearbeiten

Sein Der Prophet Jesaias befindet sich in der Gemäldegalerie Alte Meister.[8]


LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. O’BYRN, Friedrich August Freiherr: Giovanni Casanova und die Comici italiani am polnisch-sächsischen Hofe, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 1. Bd. Dresden 1880, S. 289 ff
  2. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 988.
  3. Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 188.
  4. 1
  5. Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 20.
  6. Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden, Kirchliche Wochenzettel 1685/1703-1902, 2. Juli 1795 bis 1. Januar 1796, S. 465.
  7. Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden, Kirchliche Wochenzettel 1685/1703-1902, 2. Juli 1795 bis 1. Januar 1796, S. 465.
  8. Der Prophet Jesaias