Fachbereich Bildungssoziologie/Blog


Die Bildungsschwelle
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Michael Mutz: Soziale Chancengleichheit in Bildungssystemen – Länderunterschiede und ihre strukturellen UrsachenBearbeiten

Quelle: www.workingclassstudents.de

Mit einer vergleichenden Analyse von 27 der an den PISA-Tests beteiligten OECD-Staaten versucht Michael Mutz eine Ursachenerklärung für die starken länderspezifischen Unterschiede bezüglich der Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu ermitteln. Zunächst untersucht er mikrosoziologisch, das heißt hier auf der Familienebene, die Unterschiede zwischen den Ländern zu deuten. Hierauf aufbauend untersucht er die Institutionelle Diskriminierung (Gomolla/Radtke) des Lehrpersonals gegenüber SchülerInnen mit einer niedrigen sozialen Herkunft. Die Bildung von homogenen Gruppen führe zudem zu "Kompositionseffekten", womit gemeint ist, dass die individuellen Leistungen von den Ressourcen der Schulklasse abhängig ist.Schließlich bildet er Cluster verschiedener Schulstrukturtypen:

  • Einheitsschulsytem ohne Privatschulen
  • Einheitsschulsystem mit vielen Privatschulen
  • Schulstruktur mit später Differenzierung
  • Schulstruktur mit früher Differenzierung nach Leistung
  • Schulstruktur mit früher Differenzierung nach Eltern-/Lehrerentscheidung.

Für die vorletzte Schulstruktur errechnete er stellvertretend die Werte für Österreich, für die letztgenannte Schulstruktur die Werte für Deutschland. Die deutsche Schulstruktur hatte eindeutig die stärkste Kopplung von Bildungserfolg und sozialer Herkunft aufzuweisen. Zum Schluss konnte er noch einen Zusammenhang mit den Wohlfahrtsfahrtsregime- (sozialdemokratisch, marktliberal, konservativ, familistisch, exsozialistisch) und Bildungsstruktur-Typen aufweisen. Am schlechtesten schnitten hier die konservativen Wohlfahrtsregimetypen ab, zu denen auch Österreich und Deutschland zählen.

-- Schwarze Feder 03:14, 6. Feb. 2007 (CET)

Studierwilligkeit wegen Studiengebühren rückläufigBearbeiten

(29.01.2007) Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems ist die Studierwilligkeit in Deutschland weiter rückläufig. Unter den Studienberechtigten sei die Quote derjenigen, die studieren wollen von 71% auf 69% gesunken. Zweidrittel der Befragten, die auf ein Studium verzichten, begründen dies mit dem Wunsch nach baldiger finanzieller Unabhängigkeit, 3/5 äusserten den Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit und jeder Vierte gab als Grund die finanzielle Überforderung aufgrund der Studiengebühren an. Unter den studienberechtigten Frauen die auf ein Studium verzichten, nannten knapp ein Drittel (31%) der Befragten die Studiengebühren als Hinderungsgrund für die Aufnahme eines Studiums.

Während jede/r zweite Studienberechtigte aus akademischen Elternhaus ein halbes Jahr nach der Studienberechtigung bereits studierte, trifft dies nur für jede/r dritte aus nicht-akademischen Elternhäusern zu. Wird nur die Universität betrachtet, so sind die Unterschiede noch größer: Von den Studienberechtigten mit Akademiker-Eltern studieren dann bereits 37% - ihnen stehen 23% mit nichtakademischen Eltern gegenüber.

-- Schwarze Feder 02:30, 31. Jan. 2007 (CET)

Studie zum wissenschaftlichen NachwuchsBearbeiten

Das Studierendensurvey der AG Hochschulforschung an der Uni Konstanz hat schon häufiger interessante Ergebnisse hervorgebracht. In einer Expertise für das Bundesbildungsministerium kommt der Verfasser der Studie, Tino Bargel, zu dem Schluss, dass es in der Bundesrepublik Deutschland an wissenschaftlichem Nachwuchs mangele und dass dieser sich nicht aus den Studierenden mit den besten Noten rekrutiere. Überdurchschnittlich seien Männer und Akademikerkinder unter den Promovierenden und in wissenschaftlichen Projekten zu finden, was nicht mit den intellektuellen Leistungen korrespondiere. Im Gegenteil: je höher der Notendurchschnitt zwischen den Studierenden sei, desto größer falle die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und den sozialen Herkünften aus.

Es liegt nahe, dass diese soziale Ungleichheit mit der ungleichen Verteilung der Stellen für studentische wissenschaftliche Hilfskräfte und TutorInnen einhergeht. Für eine wissenschaftliche Karriere seien diese Stellen Steigbügelhalter und auch diese seien ungleich verteilt, worauf schon eine Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften an der Uni Marburg verwies. Auch auf den Hiwi-Stellen (insbesondere Tutorien) seien männliche Studierende und Studierende mit sogenannter "hoher sozialer Herkunft" überrepräsentiert.

Ein weiterer überraschender Befund des Studierendensurveys zeige sich in der ungleichen Verteilung der Begabtenstipendien. Gerade in der Leistungselite der Studierenden (Notendurchschnitt 1 - 1,4) sei die Verteilung der Begabtenstipendien sehr stark an der sozialen Herkunft gebunden. Nur 7% der Arbeiterkinder, aber 14% der Akademikerkinder in dieser Leistungsgruppe erhielten Begabtenstipendien. Ein ähnliches Missverhältnis zeige sich im Geschlechterverhältnis: 16% der männlichen Studierenden, die Stipendien erhielten, stünden in dieser Leistungsgruppe nur 9% der weiblichen Studierenden gegenüber. -- Schwarze Feder 17:01, 12. Jan. 2007 (CET)

Österreichische Sozialerhebung 2006Bearbeiten

Erste Ergebnisse der Studie "Bericht zur sozialen Lage der Studierenden", die im Januar 2007 veröffentlich werden soll, hat der Bildungsforscher Martin Unger in einem Gespräch mit dem Standard bekanntgegeben. In Österreich wurden 2001 Studiengebühren eingeführt. Nach fünf Jahren habe sich jedoch entgegen den Befürchtungen die soziale Zusammensetzung nicht verändert. Höhere Schichten seien allerdings nach wie vor "eklatant überrepräsentiert". Dennoch habe sich an den Universitäten einiges geändert:

Die empirischen Daten zeigen auch, dass 45 Prozent der Studierenden als Reaktion auf die Studiengebühren von erhöhtem finanziellem Druck sprachen, fast ebenso viele von höherem Zeitdruck. Knapp ein Drittel (32 Prozent) berichtete von eingeschränktem Lebensstandard, und 29 Prozent haben ihre Erwerbstätigkeit ausgeweitet. Diese Erwerbstätigkeit geht so weit, dass zwei Drittel aller Studierenden während des Semesters arbeiten, sagt IHS-Soziologe Unger. Mit jenen, die in den Ferien arbeiten, jobben insgesamt 80 Prozent.

Als besonders unfair empfänden Studierende die Studiengebühren, die neben dem Studium jobben und so kein Vollzeitstudium erbringen könnten. Unger hierzu: "Sie zahlen in Summe für dieselbe Leistung – ein Studium – deutlich mehr als Vollzeitstudierende" "Soziale Zusammensetzung an den Unis hat sich nicht verändert" IHS-Studentenbericht: Zwei Drittel arbeiten während des Semesters (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 24.11.2006)

Meine These ist, dass aufgrund des dreigliedrigen Schulsystems, welches kürzlich noch von der Europäischen Kommission gerügt wurde, nur diejenigen mit einer niedrigen sozialen Herkunft studieren, die sich dann auch nicht mehr von moderaten Studiengebühren abschrecken lassen, sondern mit einem gewissen Trotz ins Studium reingehen. Es ist unglaublich, dass die die ärmer sind, länger und dadurch mehr zahlen müssen. -- Schwarze Feder 03:08, 7. Dez. 2006 (CET)

PISA-I-PlusBearbeiten

Am 17.11.2006 ist eine "PISA-Längsschnittstudie zur Entwicklung mathematisch-naturwissenschaftlicher Kompetenzen im Verlauf eines Schuljahres" Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz erschienen PISA 2003 Kompetenzentwicklung Zusammenfassung (pdf). Gewertet wurde die Entwicklung zwischen einem Test im Frühjahr in der 9. Schulklasse und im darauffolgendem Frühjahr in der 10. Klasse. Eine Kritik der GEW bezieht sich darauf, dass Hauptschulen aus der Untersuchung herausgenommen wurden, obwohl in vielen Bundesländern 10. Klassen der Hauptschulen bestehen GEW:PISA-I-Plus: nichts dazugelernt. -- Schwarze Feder 16:32, 17. Nov. 2006 (CET)