Kurs:Dresdner Baudenkmäler/Das Haus des Rococo

Die übrigen Vorstädte Dresdens wurden im siebenjährigen Kriege so gründ- lich zerstört und haben so viele Umgestaltungen erfahren, dass ihre Bauweise in gleich klarer Weise, wie die der Friedrichstadt, nicht mehr erkennbar ist.

9* (47*)


716


Dresden (Stadt), Das Haus des Rococo.


Das Haus des Rococo.

a) YTor der Belagerung von 1760. Haupts trasse Nr. 7. Fünf Fenster Front, drei Obergeschosse. Der Bau ist in reiner Sandsteinarbeit durchgeführt, die Fenster sind mit einfach profilirten Gewänden umgeben, zwischen ihnen auf den Brüstungen ein- faches Rahmenwerk; nur in der Achse zierliche Kartuschen, die oberen mit der Inschrift: 17. ap.p. 46- die untere mit dem nebenstehenden Stein- metzzeichen.


4,0 E


i i i


Z5M


Fig. 594 u. 595. Frauenstrasse Nr. 7, Erd- und erstes Obergesclioss.

Das Haus wurde von dem Steinmetzen Andreas Paul Petersill erbaut.

Frauenstrasse Nr. 7 (Fig. 594, 595). Das Haus ist leider durch Umbau der beiden Untergeschosse um 1890 beschädigt worden. Seine Schauseite war dem Nachbarhause Galeriestrasse Nr. 14, Ecke Frauenstrasse (vergl. S. 680) verwandt, doch schon Hasche (I, S. 279) erkannte, dass es jünger ist. Es dürfte um 1745 entstanden sein. Das Erdgeschoss diente dem Geschäftsverkehr. Neben dem Hausflur rechts ein schmaler, links ein grösserer Laden. Beide waren mit Hinter- räumen versehen, der grössere mit einer Nebentreppe, die in das erste Ober- geschoss führte. In diesem befand sich die gut disponirte Wohnung des Haus- besitzers. Bei der geringeren Tiefe des Grundstückes konnten die beiden Bäume des linken Seitenflügels gute Verbindung erhalten. Der Lichthof hinter dem


Vor der Belagerung von 1760.


717


r


Fig. 596. Frauenstrasse Nr. 14. Erker.


Hintergebäude erleuchtet einen dritten Wohn- raum. Die Umbauten zerstörten die Facade. Nur im zweiten Obergeschoss erhielt sich eine tüchtige Architektur etwa von 1740 mitEmblemen im Eeste des Erkers und der Fensterverdachungen.

Die von Samuel Locke geschaffenen Original- plänesind inderSammlung weiland König Friedrich Augusts, Nr. 97255 — 59 und 97229, erhalten.

Wilsdruffer Strasse Nr. 9. Hasche rühmt, dass die Facade ganz in reiner Sandsteinarbeit errichtet sei. Die vier Obergeschosse haben bei sieben Achsen Fenster mit mehrfach ver- kröpften Gewänden, die durch kleinesMuschelwerk, Stoffgehänge und Kar- tuschen etwas verziert sind. Es fehlt jede Vor- oder Eücklage. Die beiden un- teren Geschosse sind durch Läden verbaut.

Grosse Meissner Str. Nr.7 (Taf.XXXVIII).Vier- fensterhaus mit drei Ober- geschossen. An den Ecken Lisenen mit Kapitäl, die beiden Mittelachsen aus- gezeichnet durch vier Flachreliefs auf den Brüst- ungen und etwas reichere Umrahmung der Fenster. Monogramm aus J. J. L. Die Keliefs enthalten bib- lische Darstellungen, unter anderen der arme Lazarus und der barmherzige Sa- mariter. Anstriche haben diese Arbeiten sehr be- schädigt.

Kreuzstrasse Nr. 6. Der Umbau eines Eenais- sancehauses(vergl. S. 653), Fis- 597-

N ' Fraucnstrasse Nr. 14. Erker.


718


Dresden (Stadt), Das Haus des Rococo.


bei dem die Schauseite in schlichter Lisenen-Architektur hergestellt wurde, dürfte in gleiche Zeit wie Kreuzstrasse Nr. 10, also um 1740 fallen.

Schössergasse Nr. 25, Ecke Sporergasse. Stattliches Haus von schlichter Theilung durch Lisenen und Umrahmungen. In den Mittelrisaliten über den


Fig._598. Frauenstrasse Nr. 14.


mit verkröpften Lisenen versehenen Fenstern Schilde, Kränze und Kartuschen. Der Bau entstand wohl unter Knöfels Einfluss.

Frauenstrasse Nr. 14. Das Haus hängt zusammen mit dem älteren Bau, in dem sich der in Fig. 486 u. 488 abgebildete Erker befindet. Er ist von stattlichen Abmessungen und von glücklicher Eaumdisposition. Gegen die Schuhmacher- gasse hat er eine Front von 15 Fenster. Die Ausschmückung des Thores und


Vor der Belagerung von 1760.


719


des Eck-Erkers sind die bemerkenswerthesten Theile des Hauses. Die bildnerischen Arbeiten dürften von Knöfler stammen.

Ueber der im Korbbogen geschlossenen Thüre ein Mann mit Januskopf in- mitten eines Weinberges, in dem Kinder arbeiten. Bez. Sudore Benedictione. Keiz- voll geschnitztes Hofthor.

Am dreigeschossigen Erker sind namentlich die Brüstungsplatten reizvoll geschmückt (Fig. 596 und 597). Auf den drei unteren sieht man in Eelief die Herstelluug eines Fasses: das Hobeln der Dauben, das Ausschwefeln, das Hämmern der Eeifen. An der durchbrochenen Brüstung des Altanes spielen Kinder mit den Werkzeugen der Böttcher. Schlusssteine, Tragsteine und Architrave sind mit anmuthigem Bococo- Ornament versehen.


Fig. 599. Frauenstrasse Nr. 14.


Ebensolches über den Fenstern (Fig. 598 und 599) der vier Fenster breiten Front gegen die Frauenstrasse zu.

Der Bau entstand um 1750; sein Erbauer, der Böttchermeister Joh. Köhler, kaufte das Grundstück 1746.

Wilsdruffer Strasse Nr. 29. Stattliche Facade von vier Obergeschossen und acht Fenster Front. Die Gliederung erfolgte dadurch, dass die beiden Mittel- fenster durch bescheidene Verdachungen und Ornamente in angetragenem Stuck vereinigt wurden und dass von den seitlichen je drei Achsen die mittleren auf den drei oberen Brüstungen durch Rococokartuschen in quadratischen Feldern belebt wurden. [Das Erdgeschoss ist verändert, grosse Firmenschilder entstellen die Facade. Um 1750.

Wilsdruffer Strasse Nr. 8 und Brüdergasse Nr. 7 (Fig. 600). Das Haus wurde wiederholt gründlich umgebaut. Es dürfte um 1754 entstanden sein, jedoch wohl mit Benutzung der Beste eines älteren Baues. Dafür spricht die Un- regelmässigkeit in der Verkeilung der Fenster. Hasche berichtet, es sei 1754


720


„reparirt", um ein Geschoss erhöht und dabei sehr alte Gebäude „noch gothi- schen Geschmackes" verbunden worden. Der Wendelstein im Hofe deutet auf diese Bautheile hin. In den 1880 er Jahren wurde es abgebrochen.

An der Schauseite rühmt Hasche den „steinernen Austritt mit eisern ge- flochtenem Gatterwerk". Der Grund- riss des ersten Obergeschosses deutet auf herrschaftliche Bewohner hin. Der Hausflur ist zwar bescheiden, doch stösst an ihn ein sehr stattliches Chambre de lit, das durch eine Ne- bentreppe bedient werden kann. Gegen die Wilsdruffer Strasse waren ur- sprünglich nur drei Zimmer von zwei, drei und zwei Fenstern Front ange- ordnet. Die Zimmer des rechten Seiten- flügels haben Verbindung mit einem rückwärtigen Gange und zu dem Hin- terhause an der grossen Brüdergasse, das sich als ein selbstständiges, auf bescheidener Grundfläche aufgebautes Wohnhaus charakterisirt. Die Ver- bindung von der Treppe zum linken Seitenflügel ist durch einen offenen Balcon vor Vorsaal und Chambre de lit hergestellt.

Die Originalpläne sind in der Sammlung weiland König Friedrich Augusts, Nr. 97336, erhalten.

Sophienstrasse Nr. 1, Ecke Postplatz (Fig. 601 u. 602). Das Haus wurde 1744 mit der Rückseite auf die Stadtmauer erbaut. Bei der geringen Tiefe des Grundstückes musste auf die Anlage eines Hofes verzichtet werden. Die Thüre gegen die Sophienstrasse führt in einen Hausflur, von dem die dreiläufige Treppe zugänglich ist. Im Obergeschoss ist die sorgfältige Durch- bildung der Räume zu beachten, durch die die Unregelmässigkeit des Grund- stückes maskirt wird. Die Schauseite nach der Sophienstrasse (Fig. 603) ist die vornehmere: Hier wird durch Lisenenwerk und die Fensterarchitektur eine eigenartige Composition erzielt, die durch meisterhaft modellirte Rococokartuschen noch gesteigert wird. Drei Obergeschosse sind dabei zu einer Ordnung zusammengefasst, das vierte schliesst der Bau über einem Gurtgesimse ab.


Fig. 600. Wilsdrufferstrasse Nr. 8. Erstes Obergeschoss.


Vor der Belagerung von 1760.


721


Der Bau wurde für den Landbauschreiber Adam errichtet, Die Originalpläne erhielten sich in der Sammlung weiland König Friedrich Augusts.

Schlossstrasse Nr. 7. Die Facade gegen die Schlossstrasse ist gänzlich umgebaut. Die alte vornehmere Gestaltung erhielt sich an der 17 Fenster langen Front an der grossen Brüdergasse.

Man erkennt die Hand der Schule Knöffels, als Architekt wird Samuel Locke genannt. Der Bau entstand 1753, (nach Hasche) nach völligem Abbruch


 i  ^ 

9, 20M

i i i i i i i i i ^

Fig. 601 u. 602. ^ Sopliienstrasse Nr. 1. Erstes Obergeschoss und Erdgcschoss.

des vorher dort errichteten Gebäudes als „Hotel de Pologne" und kostete mit Meublement 80,000 Thaler.

Das Erdgeschoss wurde mit einem Gesims abgeschlossen, das sich über den Stichbogenthoren leicht emporschwingt, um einer Kartusche Eaum zu machen. Die fünf mittleren Fenster der drei Obergeschosse stehen in grossen Lisenen, und sind durch Verdachungen betont. In dem Mittelfenster des ersten Stocks eine Stichbogen-, seitlich je eine Spitz- und gerade Verdachung. Im zweiten Stock in der Mitte Spitzverdachung, seitlich je eine geschweifte und gerade. Die Fenster sind einfach profilirt unter den mittleren Verdachung einzelne Schmuckformen.

Altmarkt Nr, 1, an der Scheffelstrasse, Leporini'sches Haus, (Vergl.


722


Dresden (Stadt), Das Haus des ßococo.


Fig. 465 und 466.) Ueber das Haus siehe Seite 620. Eigenartig ist die Anordnung der Höfe. Während im Erdgeschoss ein Theil des Haupthofes überbaut ist, ist im Obergeschoss für einen Lichthof in der rechten Ecke hinten Sorge getragen. Die Küche liegt links im Vorderhause und hatte unverkennbar noch grosse Rauch- fänge. Mehrere Räume auch des Obergeschosses sind überwölbt. Die Treppe

ist gewendelt, doch in einen qua- dratischen Raum gestellt. Die Facade reiht sich jener des Rath- hauses ein.

Pillnitzer Strasse Nr. 9. Hübsches Häuschen mit wohler- haltener Thüre, bez. g. j. w. 1757. Zwei Obergeschosse, sieben Fen- ster Front. In der Achse auf den Brüstungen Rococokartuschen, die leider an Feinheit eingebüsst haben.

Grosse Meissner Strasse Nr. 13. Acht Fenster Front, zwei durch stattliche Höhe ausgezeich- nete Obergeschosse, ausgebautes Dach. Ueber dem im Korbbogen überwölbten Thore zwei etwas verzierte Achsensysteme mit Ro- cocokartuschen über den Fen- stern. Um 1750.

Am Markt Nr. 8. Durch den modernen Aufputz sieht man ein gut componirtes stattliches Haus aus den Jahren 1750—55.

Am Markt Nr. 5 (Goldene Sonne). Das Haus hat sieben Fenster Front und drei Ober- geschosse und zeigt die Aus- schmückung in Rococokartuschen von feiner und zierlicher Aus- bildung. Das Haus ist schon auf dem Bilde Canalettos in der Ge- mäldegalerie Nr. 612 dargestellt, das 1750 gemalt wurde. Es dürfte damals eben fertig geworden sein.

König Johann-Strasse Nr. 11 (Badergasse). Haus mit kräftigen Rococo- kartuschen vor den Fenstern der Achse und Gehängen an den Sohlbänken. Um 1755?

Am See Nr. 7. Haus etwa von 1750, von schlichter Form. Hauptstrasse Nr. 6. Stattliches Haus von elf Fenster Front, mit drei


603. Sophienstrasse'Nr. 1.


Vor der Belagerung von 1760.


723


Obergeschossen, das vierte späterer Zusatz. Die fünf Fenster des Achsensystems sind je durch Kartuschen, die Fenster in den Achsen der Flügel je durch orna- mentirte Füllungen auf den Brüstungen herausgehoben. Kräftiges Eococo in der Art des Böttcherhauses in der Frauenstrasse. (Vergl. S. 718.) Um 1750.

Altmarkt Nr. 13. Die sehr stattliche Facade zeichnet sich durch be- sonders schöne Verhältnisse aus. Sie entstand nach 1752, da bei Canaletto noch ein Benaissancehaus an jener Stelle stand, wurde jedoch 1890 von Rümpel und Sommerschuh durch allerlei ornamentalen Schmuck verändert. Ebenso das Innere.

Altmarkt Nr. 1, vergl. Fig. 465 und 466. Das Haus wurde, wie Seite 620 dargethan wurde, 1741 von Knöffel erbaut. Der Grundriss zeichnet sich durch die geschickte Ausgestaltung der Treppe und des Hofes aus. Bemerkenswerth sind namentlich die Obergeschosse. Der kleine Vorsaal vermittelt den Zugang zu den Strassenzimmern und zu dem Speisesaal, der nach Art der sogenannten „Berliner Zimmer" angelegt war. Dem entspricht auch der Gang hinter den Zimmern des rechten Seitenflügels, die Anordnung des Lichthofes und des Abortes, sowie des hinteren Eckzimmers am linken Seitenflügel. Hier sind die Zimmer in einer directer Verbindung ermangelnder Flucht angelegt. Die Inneneinrichtung fiel dem Umbau des Rathhauses von 1862 zum Opfer.

An der A ugustusbrücke Nr. 4. Das Haus soll vom Hofnarren Fröhlich auf einem ihm 1755 geschenkten Grundstücke errichtet worden sein. Es ist aus- gezeichnet durch zwei achteckige Vorbauten nach der Elbe zu, die ihm den Namen „Brille'* zuführten. Architekturformen fehlen fast ganz.

Rampische Strasse Nr. 4, Ecke an der Frauenkirche. (Fig. 548, rechts.) Viergeschossiges Haus von eigenartiger Behandlung des Achsmotives. Ueber dem zweiten Obergeschoss ein kräftiges Gurtgesims, das sich über die Achsfenster aufbiegt. Alle Fenster der Achse im Bogen und von Rococokartuschen bekrönt, und zwar im ersten Obergeschoss Rundbogen, im zweiten Korbbogen, im dritten und vierten Stichbogen. Die ganz unverzierten Seitenfenster mit geradem Sturz.

Grosse Klostergasse Nr. 4 (jetzt Corpscommando). Stattlicher, wohl- erhaltener Bau. Nach Hasche angeblich 1718 durch den Vicepräsident von Kiesewetter neu gebaut. Die Facade ist bei Hasche (I, 562) genau beschrieben. Sie zeichnet sich durch ruhige Behandlung und kräftige Formengebung aus, steht aber noch im Detail der älteren Schule näher. Es sind über dem im Stich- bogen abgeschlossenen Thore zwei Fenster, in den beiden Obergeschossen je unter einer Verdachung gekuppelt. Nur unter den Verdachungen Ornament. Ueber dem Mittelrisalit ein flacher Giebel; in einer barocken Kurtusche das Wappen des Oberbergkommissars Peter Nicolaus Neugarden, seit 1753 Reichs- ritter Edler von Gartenberg, seit 1758 Freiherr. Da das Wappen das ritter- ständische ist, muss der Bau in die Zeit vor 1758 fallen. Die Familie besass das Palais noch um 1780.

Der Grundriss (Fig. 604 u. 605) giebt wieder ein gutes Bild für ein herr- schaftliches Wohnhaus der Zeit: Die Einfahrt hat im vorderen Theile 6,7 m, im hinteren 3,4 m Breite. Hier reiht sich die stattliche zweiläufige Treppe an. Durch das gegen den Garten und die Elbe zu gelegene Hinterhaus führt ein schmaler Gang. Hier liegt die Kellertreppe und im linken Seitenflügel die Nebentreppe. Der rechte Seitenflügel dürfte für die Küche (mit Backofen) und Wirthschafts-


724


Dresden (Stadt), Das Haus des Kococo.


gelasse benutzt worden sein. Grosse Theile des Erdgeschosses sind eingewölbt. Das erste Obergeschoss enthält die Wohn- und Gesellschaftsräume , der linke Flügel, an dem sich der Wirthschaftsgang hinzieht, hat hinter diesem Scblaf-


Fig. 604. Klostergasse Nr. 4. Grundriss des Obergeschosses.


Fig. 605. - Klostergasse Nr. 4. Grundriss des Erdgeschosses.


Unverkennbar handelt es sich hier wieder um ein Haus, in dem' mindestens Erdgeschoss und Hauptgeschoss nur von einer Familie bewohnt waren.

b) Nach der Belagerung von 1760. Der siebenjährige Krieg wurde für Dresden verhängnissvoll. In den Jahren 1758 und 1759 wurden die Vorstädte niedergebrannt. Vom ersten Brande wurden 289 Grundstücke zerstört, vorn zweiten 85, ausser denen, die nur durch Kanonen-


Nach der Belagerung von 1760.


725


kugeln beschädigt wurden. Besonders schwer wurden die Stadttheile vor dem Pirnaischen Thore und die Gebäude an der Contreescarpe betroffen.

Viel härter waren noch die Verluste, die das Bombardement von 1760 ver-


Fig. 606. Grosse Plauenscho Strasse Nr. 16 (Josephinenstift).


Fig. 607. Grosse Plauensche Strasse Nr. 16 (Josephinenstift).


ursachle. Der Schaden, der an Privatbauten angerichtet worden war, wurde auf 1,176,405 Thaler berechnet. Während am Altmarkt und der Schreibergasse nur einzelne Häuser beschädigt waren, zeigten in der Badergasse, Frohngasse, Kreuz- strasse, um die Frauenkirche und Töpfergasse fast alle Häuser tiefgehende Be-


726


Dresden (Stadt), Das Haus des Rococo.


Schädigung. Besonders hart war die Landhausstrasse, die Rampische Strasse, die Schiessgasse und die Moritzstrasse mitgenommen worden.

Der Wiederaufbau erfolgte verhältnissmässig rasch, doch waren noch 1781 nach Hasche von den 29 in der Moritzstrasse abgebrannten Häusern 14 traurige Brandstellen und beleidigten zersprengte Steinhaufen den Blick. In der Rampi- schen Gasse gab es noch drei Brandstellen, in der kleinen Schiessgasse befanden sich neben sechs ausgebauten Häusern sieben bis acht Brandstellen.

Die Aussenarchitektur der Neubauten bewegt sich in sehr einfachen Formen. Die Schule des Krubsacius, Exner und Höltzers mit ihrer Vorliebe für die An- ordnung von Lisenen , schlichten Fensterumrahmungen und ihrer Abneigung gegen das Rocoeo-Ornament begann bald das Uebergewicht zu erlangen. Wo es erscheint, ist es formal gemässigt. Typisch ist Exners Josephinenstift (vergl. S. 288), bei dem die dekorative Ausstattung fast nur in der Ausgestaltung der Thore (606 u. 607) beruht, über denen das Gurtgesims des Erdgeschosses leicht aufgebogen ist, während an den Fanden sonst nur die freilich mit hohem Feingefühl durchgeführte Abwägung der Verhältnisse wirkt. Bezeichnend für den Geschmack der Zeit sind Hasches Bemerkungen in seinem topographischen Rundgang durch Dresden. Er lobt das gute Verständniss der Architekten selbst bei völlig nüchternen Bauten, bei denen allerdings damals meist „die äusseren Verzierungen bloss in Malerei angegeben" waren, die also immerhin ein anderes Bild darboten, als dies heute der Fall ist. Die Kenner der Architektur nannten diese Häuser „im Blondel'schen Geschmack" entworfen. So Räcknitz in seiner Ge- schichte des Geschmackes. Man war sich also des Einflusses der Pariser Aka- demie und seiner derzeitigen Hauptlehrer bewusst und rühmte, dass die Bürger- häuser einen gefälligen und reinlichen Charakter haben, der zugleich, wenn auch nicht Reichthum, doch Wohlstand ankündige; und das geschehe, weil die Archi- tekten nicht die grosse, nur für öffentliche Gebäude und Paläste anwendbare Bauart der Italiener nachahmten.

In der Innengestaltung der Häuser haben sich wenig grundsätzliche Aender- ungen vollzogen. Erst das Nachlassen einer reicheren Bauthätigkeit in den 80 er und 90 er Jahren und der nun auftretende Klassicismus änderten die Planbildung.

Landhausstrasse Nr. 15. Ein älteres Haus mit noch unregelmässiger Vertheilung der Fenster, wurde anscheinend nach 1760 durch grosse Rococo- kartuschen auf den Fensterbrüstungen geschmückt. Auf jenen des dritten Ober- geschosses die Inschrift: Soli Deo gloria.

An der Frauenkirche Nr. 20 (Fig. 608). Bau von sieben Fenster Front. Eine Mittel vorläge von drei Fenstern, der linke Flügel etwas schräg gestellt. Die feinere Architektur in den drei Obergeschossen noch mit Rococokartuschen versehen. Am Mittelfenster des ersten Obergeschosses die Inschrift 1765, im zweiten Obergeschoss ein Relief mit der aufgehenden Sonne, im dritten die In- schrift: Soli Deo glorla.

Die Originalpläne von 1764 sind in der Sammlung weiland König Friedrich Augusts Nr. 97412—19 erhalten.

Neu markt Nr. 7. Fünf Fenster breites Haus mit vier Obergeschossen, wohl ein ehemaliger Renaissancebau, der nach dem Brande von 1760 durch


Nach der Belagerung von 17G0.


727


kräftige Kococokartuschen zwischen den drei Mittelfenstern verziert wurde. In diesen Embleme (Merkurstab, Silberschmiedearbeiten?).

Im zweiten Hofe offene ßalcons auf Tragsteinen als Verbindungsgänge.

Schiessgasse Nr. 10. Schlichte Facade noch von barocker Stimmung, mit Kartuschen über den Fenstern, in denen bereits das Rococo auftritt. Um 1765. Die Facade gegen die Landhausstrasse ist in das Schema von Landhausstrasse Nr. 18 gezogen, also um 1780 umgebaut.

An der Frauenkirche Nr. 6 (zur Goldenen Kugel). Von 1764. UeberderThüre

die Inschrift: En derit de Tenvie, nach Hasche : En depit de l'ennemie. Darunter ein Monogramm mit Bezug auf den Artillerie- Oberauditeur Christian Moritz Kotsch, der 1764 hier zwei Grund- stücke zusammenkaufte. Die Facade sonst ganz nüchtern.

Im Hausflur ein alter Schlussstein, grosse ßococo- kartusche mit der Inschrift:

Hac Domus exusta est hoc in hostilibus armis Nullius (!) auxilio Kotsch nunc(?) extruxi eandem (?)

Gegenüber ein Denkstein mit der Inschrift:

Actor XIIII | Durch Vil | Trübsal m | vssen wir i ins Reich G | ottes gehen.

Wohl vom Frauenkirch-

Fig. 608. An clor Frauenkirche Nr. 20. hofiß.

Breitestrasse Nr. 12.

Die sechs Fenster breite Facade fällt aus der Art der übrigen Dresdner "Bauten. Die fünf Obergeschosse sind niedriger, die Fenster daher gedrückt. Ueber den mittleren beiden Fenstern der drei ersten Obergeschosse je eine breite Füllung. Ueber den seitlichen Paaren schwerfällige Verdachung. Die sechs Fenster des vierten Obergeschosses durch einen darüber geputzten Bogen verziert, die des fünften mit einfachen Ohren unter der Sohlbank.

Grosse Meissner Strasse Nr. 8. Einfacher Bau in Lisenen-Architektur, jedes Stockwerk mit eigenen Lisenen.

Grosse Klostergasse Nr. 7. Ansehnliches Wohnhaus.

Friesengasse Nr. 10. Dreifensterhaus mit ßococokartusche.


728


Dresden (Stadt), Das Haus des Roeoco.


tot*


Landhaus Strasse Nr. 4 (Fig. 609). Dreifensterhaus mit drei Oberge- schossen. Ueber den schlichten Fenstern reiche, lebhaft bewegte Rococo-

kartuschen.

Käser nenstrasse Nr. 2. Das mit vier Obergeschossen versehene Haus trägt auf einem Schlusssteine die Jahreszahl 1767. Dieser befindet sich über dem grossen Thore einer Schmiede, neben der nur eine kleine Thüre den Haus- flur ausmacht. Die Schmiede ist noch ganz intact. Bemerkenswerth ist die zwei- theilige Thüre, deren oberer Flügel zum Abzüge des Rauches geöffnet wer- den kann, und die aus sieben Stein- pfosten und Steinbalken bestehende Barre zum Anbinden der zu beschlag- enden Pferde. Sie steht etwa 5 m vor der Hausfront.

Galeriestrasse Nr. 6. Vierfenster- haus, verziert mit vier kräftigen Ro- cocokartuschen.

Moritzstrasse Nr. 5, Ecke Frie- sengasse. Aelteres Haus, das nach dem Brande von 1760 eine neue Ar- chitektur erhielt. Der Erker zeigt namentlich im ersten Obergeschoss eigenartige Formen : statt der Pilaster eine Rococoherme vor gequadertem Gewände. Von Gottfried Kuntsch entworfen.

Moritzstrasse Nr. 6 (Fig. 610). Die fünfgeschossige, sechs Fenster breite Facade zeigt über dem ganz um- gestalteten Erdgeschoss eine schlichte Anordnung: die Fenster umgeben un- profilirte Sandsteingewände. Die Putz- flächen sind durch Roeoco -Ornament in angetragenem Stuck in der Weise anmuthig verziert, dass durch die allgemeine Lisenenführung ein pyra- midaler Aufbau erzielt wurde.

Der Bau dürfte bald nach der Belagerung von 1760 entstanden sein. Im Hofe ist eine grosse Kanonenkugel eingemauert.

Grosse Brüdergasse Nr. 25 (Fig. 611). Herrschaftliches Wohnhaus, dessen Schauseite durch klassicistische Haltung auffällt. Ueber dem schlichten Erd- geschoss mit im Stichbogen abgeschlossenen mittleren Thore und je zwei seitlichen Fenstern eine durch beide Obergeschosse reichende toscanische Pilasterordnung mit unverkröpftem Triglyphengesims. In den Intercolumnien sechs schlichte Fensler. In der Achse ein Dachaufbau mit schlichten seitlichen Anschwüngen. Vom Erdgeschoss sagt Hasche, dass die „fortlaufenden Fugen stark bemercket"


Fig. 609. Landhausstrasse Nr. 4.


Nach der Belagerung von 1760.


729


XXIII,


10 (48)


730


Dresden (Stadt), Das Haus des Rococo.


Fig. 611. Grosse Brüdergasse Nr. 25.


731


gewesen seien. Es hatte mithin schon eine Umgestaltung erfahren, ehe kurz vor 1900 der ganze Bau in wenig glücklicher Weise „verschönert" wurde.

Im Innern wurde die stattliche Eaumanordnung um den schmalen Hof ganz verändert. Der Bau gehört in seinen Kunstformen der Eichtung des Krub- satius an.

Moritzstrasse Nr. 4 (Fig. 612, 613). Der Grundriss giebt das Bild eines


Fig. G12. Moritzstrasse Nr. 4. Erdgeschoss.


ansehnlichen Kaufhauses. Die überwölbte Einfahrtshalle entspricht einem statt- lichen Saale. Seitlich zwei gleichfalls überwölbte Zimmer, im Hinterhause statt- liche Lagerräume. Die Treppe ist theilweise gewendelt und bescheidener als sonst üblich. Die breiten Galerien des Obergeschosses an zwei Seiten des Hofes, so- wie die Eintheilung des Hinterhauses verdienen Beachtung. Als Schlafraum ist von dem Alkoven noch eine besondere, dem französischen Chambre de lit ent- lehnte Anordnung abgetrennt.

10* (48*)


732


Dresden (Stadt), Das Haus des Rococo.


Nüchterne, fast ganz unverzierte Facade von guten Verhältnissen. In der Achse derselben hinten ein Brunnen: kräftige Fratze in Muschel- und Kartuschen- werk. Der Trog ist entfernt worden. Um 1770.

Neumarkt Nr. 1. Haus mit elf Fenster Front, in der Kurve liegend, mit


i i i 1 i i i i i


"■ ■ . i i i i i i i


1,0 M.


Fig. 613. Moritzstrasse Nr. 4. Obergcscboss.


zwei Eisaliten vor drei Achsen, in denen die Lisenen durch Bogen abgeschlossen sind, während in den Rücklagen Quaderungen auftreten. Ein schüchterner Ver- such, etwas mehr Leben in die stillstehende Bauweise zu bringen. Der Architekt des Hauses war Eigenwillig.

Neumarkt Nr.  %. Haus von sieben Fenster Front mit vier Obergeschossen


Nach der Belagerung von 1760.


733


in schlichter Lisenen- Architektur. Das dreiachsige Mittelrisalit ist durch Ver- dachungen belebt.

An der Frauenkirche Nr. 17. Stattliches Haus von schlichter Vornehm- heit. Fünf Fenster Front, vier Obergeschosse. Die Faeade entstand wohl um 1770. Ein Fenstersystem in der Achse reicher behandelt. Schönes Eococothor von feiner architektonischer Ausbildung (Fig. 614), mit allen Beschlägen und dem Bronzegriff und -Schild. In der Mitte eine Thüre für Fussgänger.

Neu markt Nr. 10 (Stadt Rom), nach Hasche 1773 an Stelle dreier Häuser errichtet. Die Schauseite gegen den Neumarkt (Fig. 615) giebt in feiner An- ordnung die Formen wieder, die der Knöferschen Schule eigen sind. Lisenen fassen die drei Hauptgeschosse zusammen, zwischen den Fenstern innerhalb dieser


Fig. 614. An der Frauenkirche Nr. 17.


einfache Füllungen, oder in den Vorlagen, Kartuschen und Gehänge aus aufge- tragenem Stuck. Das Erdgeschoss ist verändert worden. Ueber diesem, gegen den Neumarkt zu, ein Balcon auf reich verzierten Tragsteinen, mit anmuthigem schmiedeeisernen Gitter. An den Ecken durch die drei Hauptgeschosse reichende schmuckvoll ausgebildete Erker.

Der Grundriss (Fig. 616) zeigt die Anordnung der Dresdner Wohnhäuser in hoher Vollendung. Die Alkoven sind verschwunden, der Vorsaal erhält eine überaus stattliche Anordnung und steht in Verbindung mit den den Hof ein- fassenden Gängen. Die Treppe ist geschickt neben der Küche angeordnet. Schwerlich war das Haus für eine Familie bestimmt. Die Störungen im Wirt- schaftsverkehr, die dadurch entstehen mussten, dass der Gang zugleich Treppen- podest war, wurden anscheinend wenig empfunden. Die gute Belichtung dankt das Haus freilich auch seiner freien Lage zwischen Moritzstrasse, Neumarkt und Kleiner Kirchgasse.


734


Dresden (Stadt), Das Haus des Kococo.


Die Originalpläne erhielten sich in der Sammlung weiland König Friedrich Augusts, Nr. 97422 flg.

Pirnaische Strasse Nr. 11. Ganz ungeschmückte Facade, bez. 1772. Pirnaische Strasse Nr. 29. Grosser Eckbau von leerer Architektur. Eampische Strasse Nr. 12. Vierfensterhaus mit drei Obergeschossen, zwei Achsen reicher behandelt. Im Hinterhause eine hübsch geschnitzte Thüre.

Kreuzstrasse Nr. 7. Bau von fünf Fenster Front, mit vier Oberge- schossen, in schlichter Architektur.

Kreuzstrasse Nr. 9. Schlichte Facade, die in der Zeit um 1770 etwas verbessert wurde. Hüb- sche Bococothüre mit fei- nen Schnitzereien.

Kasernenstrasse Nr. 20. An drei Fron- ten freistehendes Haus.

Hauptstrasse Nr. 9. Sehr beschädigte Facade aus der Zeit bald nach der Belagerung.

An der Dreikönigs- kirche Nr. 9 (Pfarre).

Schlichtes stattliches Haus mit drei Oberge- schossen.

Augustuss tr asse Nr. 2. Haus von sieben Fenster Front, mit vier

Obergeschossen in schlichter Lisenen- Ar- chitektur. Das hübsch verzierte, korbförmig geschlossene Thor zeigt die Rococoformen der Zeit.

Neumarkt Nr. 3 (Goldener Ring). Aehnlich Nr. 2, doch um 1850 in eine Art Renaissance -Architektur verwandelt. Ursprünglich um 1770.

Pirnaische Strasse Nr. 1. Hübsche Hausthüre in Rococo, geschnitzt, mit Messing beschlagen. Als Handgriff ein reizend modellirter Fisch. Das Haus mit sieben Fenster Front nach dem Platze und drei Obergeschossen in schlichtem Lisenenwerk. Nach Hasche (I, S. 400) vom Hofconducteur H ah mann erbaut.

Pirnaische Strasse Nr. 7 und 9. Fünffenster -Facade mit zwei Ober- geschossen. Das Mittelfenster des Hauptgeschosses durch eine Verdachung, die Seitenfenster durch ein Gesims hervorgehoben. Sonst schmucklos. Bez. 1777.


Fig. 615. Neumarkt Nr. 10 (Stadt Rom).


Nach der Belagerung von 1760.


785


Es


Wiesenthorstrasse Nr. 1. Stattliches, ganz unverziertes Haus. Kreuzstrasse Nr. 13. Dreifensterhaus mit drei Obergeschossen; wohl ein älterer Bau, der um 1780 durch Anbringen von einigen Kränzen und Blumen- gehängen ausgeziert wurde.

An der Frauenkirche Nr. 5 (Fig. 617). Das stattliche Haus zeigt die Lisenen-Architektur schon in ihrer Ernüchterung. Hasche bezeichnet es als im italienischen Stil erbaut und zählt es unter die „guten modernen Häuser" steht stilistisch dem späteren Um- bau des Cosel'schen Palais (vergl. S. 546) nahe und dürfte nicht lange vor 1780 entstanden sein.

Ostra-Allee Nr. 19. Statt- liches Haus von elf Fenster Front, mit drei Risaliten und hübschem Balcon über dem im Korbbogen geschlossenen, mittleren Thore. Um 1780.

Moritzstrasse Nr. 10. Haus mit sieben Fenster Front, von denen drei in der Achse im ersten Obergeschoss durch Verdachungen herausgehoben, die der drei wei- teren Geschosse nur mit Gewän- den versehen sind. Wohl um 1780.

Dippoldiswaldaer Platz Nr. 5. Fünffensterhaus mit drei Obergeschossen in Lisenen-Archi- tektur. Um 1780.

Schlichte Häuser der Zeit um 1780 ferner: Rähnitzgasse Nr. 22, Pirnaische Strasse Nr. 39 und Nr. 13, Pillnitzer Strasse Nr. 10.


Fig. 616. Ncumarkt Nr. 10 (Stadt Koni Gnmdriss des ersten Obergeschosses.


c) Landhäuser.

Auf die Wohnweise hatte zweifellos Einfluss die Vorliebe für das Land- leben und die ihm zu Grunde liegende erwachende Naturfreude. Die Zerstörung der Vorstädte hatte viele der älteren Vorstadtsbauten vernichtet, doch wurden manche neu eingerichtet, andere kamen dazu, namentlich waren die Gasthäuser und Gartenwirthschaften beliebt: So das dem Oberlandbaumeister Knöfel ge- hörige in der Oarusstrasse Nr. 4, in dem sich seit 1777 das „Freundschaft- liche Theater" befand, und das 1776 vom Accisrath Lincke angelegte sogenannte Lincke'sche Bad in der Neustadt, das ebenfalls ein Theater umfasste. Die vornehmeren Häuser dieser Art wurden bereits beschrieben: das Boxberg'sche Palais (vergl. S. 565), das Palais des Prinzen Anton (vergl. S. 548), das Mosczynska- Palais (vergl. S. 528), das Palais des Prinzen Max (vergl. S. 572).


736


Das von Sahr'sche Haus, an der Stelle des jetzigen Victoriahauses, vor dem Abbruch als Victoriahotel bekannt.

Stattlicher Bau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nähere Beschreibung bei Hasche I, S. 420.

Es erhielten sich die hübschen Kinderstatuen, die auf der Gartenmauer standen. Sie sind im Besitze des Malers C W. Ludw. Oskar von Alvensleben.

Vier nackte Putten, Sandstein, 92 bis 95 cm hoch.

Die erste steht an einen Felsen gelehnt und hält mit beiden Händen eine


Fig. 617. An der Frauenkirche Nr. 5.


weibliche Büste vor sich, das Gesicht ist nach dieser gerichtet. Der nackte Kör- per wird nur von einem Lendentuch bedeckt.

Die zweite, mit einem Delphin, der auf dem vorgestellten rechten Knie ruht, der linke Arm umschlingt den Fisch, die rechte Hand hält die eine Kie- menflosse.

Die dritte, vorn gänzlich nackt, in dem Haar Weinlaub mit Trauben, in der linken Hand eine grosse Weintraube, die rechte hält ein auf dem Bücken liegendes Tuch. Der Kopf schaut sinnend in die Ferne.

Die vierte umschlingt mit beiden Armen einen Karpfen und drückt ihn an die linke Seite. Der Kopf ist dem Fische zugewendet.


Landhäuser.


737


Gefällige Arbeiten, gut durchgeführt, das bei allen vier Figuren vorgesetzte rechte Bein, sowie der felsenartige Hintergrund, der als Stütze verwendet ist, sind Zeichen schematischer Durchbildung. — Sorgfältig restaurirt.

Der Verbleib der übrigen Figuren konnte nicht festgestellt werden.

Friedrichstrasse Nr. 52 (Fig. 618). Das

Vorderhaus, dreige- schossig, mit elf Fenster Front, ist ohne Schmuck. Im Garten ein interes- santes villenartiges Ge- bäude, das um 1770 ent- standen sein dürfte. Der Bau zeigt in der Mitte einen Vorbau mit abge- rundeten Ecken, in dem sich die gewundene Dop- peltreppe befindet. Stufen in Sandstein, schmiede- eisernes Geländer, der obere Raum mit Parquet. An diesen Raum schlies- sen sich beiderseitig im Erdgeschoss Galerien, über denen ein Balcon hinführt. In den an- sehnlichen Räumen des Obergeschosses erhielten sich feine Stuckdecora- tionen, Vertäfelungen, Thüren und Umrahm- ungen der Supraporten, alles in starker Vernach- lässigung, da der Bau jetzt einen Theil einer Fabrik bildet. Es liess sich infolge verschiedener Umbauten auch der ursprüngliche Zustand für unseren Grundriss bei dem rückwärtigen Bautheile nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Die Aussenarchitektur zeigt schlichte vornehme Formen.

Ostra- Allee Nr. 6 (Die Nudelmühle). Villenartiges Gebäude von elf Fenster Front, mit einem Obergeschoss und einem fünf Fenster umfassenden, von Lisenen gegliederten Mittelrisalit. Ueber diesem ein breiter dreiachsiger Giebelaufbau mit seitlichen Anläufern und Ochsenauge im Giebelfelde, das Erdgeschoss leicht gequadert. Auf der Rückseite ein hübscher Balcon. Früher ein Gasthaus, dessen Besuchtheit noch heute in Dresden sprichwörtlich ist. („Es ist voll, wie in der Nudelmühle.") Um 1780.


I I I I I I L=k


^0


2on

i 


Fig. 618. Frioilrichslrasse Nr. 52. Grundriss des ersten Obergeschosses.


738


Dresden (Stadt), Das Haus des tiocoeo.


Antons, villenartiges Gebäude am linken Elbstrande oberhalb Dresden, dahinter ein grosser englischer Park.

Der Bau selbst ist von äusserlich schlichter Architektur in den Formen der Zeit um 1760, zwei Geschosse, Mansardendach , über diesem ein erst zu Anfang des 19. Jahrh. errichtetes dachreiterartiges „Belvedere". Aus der zweiten Hälfte

des 19. Jahrh. stammt der Balconvorbau an der Elb- seite.

Im Innern erhielt sich die Raumdisposition, einige

Rococostuckdecken und Stuckverzierungen, sowie einzelne sehr reizvoll ge- schnitzte Holzthüren. Na- mentlich im Speisezimmer des Erdgeschosses ist die alte Einrichtung noch gut kenntlich.

Die Wirthschaftgebäude sind von geringem künst- lerischen Werthe, die ganze Anlage aber trotz und in- folge ihrer Schlichtheit von überraschender Vornehm- heit.


d) Einzelne Bautheile und Skulpturen.

Breitestrasse Nr. 8, ein Mohrenkopf, in Stein als Wahrzeichen über der Thüre. Um 1730 (?).

Münzgasse Nr. 3 (das Goldene Fass, Fig. 619). Vor dem un verzier- ten Hause zwei Thore in


Fig. 619. Münzgasse Nr. 8 ("Goldenes Fass).


origineller Behandlung, davon eines blind.

Grosse Frohngasse Nr. 13. Schlussstein, darauf in Relief eine Brücke, links eine Wolke, rechts ein Baum. Bez. 1748.

Münzgasse Nr. 8. Thor mit kleinem Oberlichtgitter, bezeichnet auf dem Schlusssteine: J. G. M., mit Bezug auf den Büttner Johann George Müller, der 1731-60 das Haus besass. Dazu das Lamm Gottes in Relief auf dem Schluss- steine.

Körnerstrasse Nr. 16. Aehnliches Thor. Bez. 1734. Flei'schergasse Nr. 2. Aehnliches, doch feiner gegliedertes Thor, bez.,

Abgebrand den Liclitmefs Tag 1747.


Erbauet Anno 1747.


Einzelne Bautheile und'Skulpturen.


739


Fig.; 620. Terrassenufer Nr. 9 (Schwarzer Bär).


Friedrichstrasse Nr. 34/36 (Güntz- und Duckwitzhaus).

Figur: Castagnettentänzer, Sandstein, ca. 120 cm hoch. Jugendliche Gestalt in spanischer Tracht, Kopf und Arme fehlen, stark beschädigt.

Terrassenufer Nr.9 (Schwarzer Bär), Fig. 620, siehe Seite 710.

Landhausstrasse, an Stelle des jetzigen Poli- zeipräsidiums. Zwei Thore, 3,io m breit, im Rundbo- gen geschlossen, mit mitt- lerer kleiner Eingangsthüre von l,i e m Breite. Reizvolle Rococoschnitzerei; ziemlich derbe Bronzebeschläge.

Das Wappen über der Thüre fehlt. Theilweise durch Anstrich beeinträch- tigt.

Jetzt in der Sammlung des K. S. Altertbumsvereins zu Dresden, Inv.-Nr. 2683.

Mitte des 18. Jahrhunderts.

Kasernenstrasse Nr. 5. Re- lief, in Gips(?), in halber Lebens- grösse. Eine sitzende weibliche Ge- stalt hält in der Linken ein Füllhorn und bricht mit der Rechten neben ihr wachsende Rosen.

Im Hause sind Kugeln wohl von der Belagerung von 1760 ein- gemauert.

Landhausstrasse Nr. 5. Hübsche geschnitzte Thore.

Grosse Meissner Strasse Nr. 25. Schmiedeeisernes Oberlicht, bez. c.R.

Schiessgasse. Einesderbeim Bau des jetzigen Polizeipräsidiums abgebrochenen Häuser war durch ein l,3o m breites, 1,4 o m hohes Relief in Sandstein geschmückt. Eine sitzende, bekleidete Frauengestalt drückt beide Hände auf die Brust Linken ein Lamm.


Fig. 621. Zalinsgnssc Nr.


Auf [den Schultern eine Trage, zu ihrer

Bez. Gedult Rom. Cap. 5. V. 4.

Jetzt in der Vorhalle des Polizeipräsidiums.


740


Zahnsgasse Nr. 9 (Fig. 621). Hübsche Hausthüre mit schmiedeeisernem Oberlichtgitter.

Niedergraben Nr. 10. Einfaches schmiedeeisernes Oberlichtgitter. Bez.

17 J. G. K. 58.

KasernenstrasseNr. 12. Keizvolle einflügelige Hausthüre, vollständig

erhalten mit allen Be- schlägen, zierlich ge- schnitzt und mit einem schönen Oberlichtgitter versehen. Darin ein Mo- nogramm aus S A X E. Am Hause noch Lisenen mit Kartuschenpilastern, doch schon in Eococo- formen.

Seestrasse Nr. 18 (Fig. 622). Wie S. 563 nachgewiesen wurde ent- stand der staatliche Bau 1753. Die Schnitzereien der Thüre sind typisch für jene Zeit. Bei ihrer hohen Vollendung dürfte man sie für Werke Deibls halten.

Neuegasse Nr. 1. Am Schlusssteine bez. c. L. F. Hausmarke : Löwe mit einer Tatze auf einer Kugel, neben ihm ein Baum. Sandstein.

Pirnaische Strasse Nr. 23. Hübsche Haus- thüre mit Eococoschnitze- rei und Beschlägen wie Griffen in Bronze. Die zierliche Arbeit dürfte noch vor dem Brande von 1759 entstanden sein.

Josephinenstrasse Nr. 2. Bococo-Hausthüre. Von den Gewänden erhielt

sich nur die Verdachung. An der geschnitzten Thüre blieben das schmiede- eiserne Gitter mit der Inschrift 1754 und die Bronzebeschläge.

Schiessgasse Nr. 4. Hausthor, im Korbbogen geschlossen, darüber das gebogene Gurtgesims und eine Kartusche. Die Thüre in reizender Holzschnitzerei mit dem alten Beschläge und den Bronzeschildern.


Fig. 622. Seestrasse Nr. 18.


Einzelne Baiitheile und Skulpturen.


741


Pirnaische Strasse Nr. 21. Ebensolche Hausthüre wie in derselben Strasse Nr. 23.

Zwingerstrasse Nr. 10. Eococothüre, zierlich geschnitzt.

Pillnitzer Strasse Nr. 8. Hübsche Hausthüre in spätem Eococo. Um 1760.

Niedergraben Nr. 6. Hübsche Hausthüre. Um 1760?

Niedergraben Nr. 8. Schmiedeeisernes Oberlichtgitter mit einem Mono- gramm aus J F und L (?).

Freiberger Platz Nr. 13. Thüre, Schlussstein mit dem Eelief eines springenden Pferdes.

Jakobsgasse Nr. 15. Aushenker, wohl ursprünglich der Schlosserinnung gehörig, in Kundstabeisen geschmiedet. Die Formen sind noch jene der Eenais- sance. Im dreieckigen Träger die Buchstaben M. K. Am Haken ein grosses vergoldetes Hufeisen, bez. T. J. s. 1762. An diesem hängen vier kleine Hufeisen. Die vordere Blume, sowie der Schmuck des Trägers wieder aus je zwei Huf- eisen. Auf der Spitze in Eiche geschnitten die Darstellung eines Schmiedes, der einem Pferde ein Eisen ins Maul hält.

Wohl älter als 1762.

Trompeterstrasse Nr. 2 (Trompeterschlösschen). An der Ecke am zweiten Obergeschoss in einer Eococo -Einrahmung das vergoldete Eelief eines Postreiters, der auf der Trompete bläst. Bez.:

Trompeterschlöfsgen nennt man mich, Des Krieges Wuth empfand auch ich, Es warf mich unverhoft ein wüthend Feuer nieder, Allein ich stehe nun durch Gottes Gnade wieder. 17 Christoph Siegemund Beuthner. 64.

Neuegasse Nr. 22. Hübsche Thüre mit gerader Verdachung, darunter eine reizende Eococokartusche, bez. 1768. Die Hausthüre in einfacher Tischler- arbeit.

Kirchgässchen. Eenaissancethüre (vergl. S. 652), bez. f. j. c. 1769. 15.79. Hauptstrasse Nr. 24 (Goldenes Lamm?). Es war nach Hasche (I, S. 553) 1686 erbaut und das Innungshaus der Fleischer, mit den Inschriften versehen:

Das Haus steht in Gottes Hand,

zum goldenen Lamm wird es genannt.

Mein Freund von dieser Zunft, so sich Fleischhauer nennen, Du wirst die Herberg hier an diesem Schilde kennen. Bist Du nun ehrlich, fromm, als ein Gesell muss seyn, so kehre hier mit Gott in diesem Hause ein. Leb ehrbar, als am Tag so wie sichs will gebühren, so wird der Nachruhm Dich zu Deinem Lobe zieren. 1774.

Die acht Fenster breite Front zeigt im dritten Obergeschoss noch Anklänge an die Bauweise Pöppelmanns, ist aber sonst schlicht gehalten. Im Mittel sind zwei Fenster über dem Thore zusammengefasst und im zweiten Obergeschoss mit einem Dreieckgiebel abgeschlossen. Diese schlichten Formen können noch auf 1686 zurückgehen.

Elbberg Nr. 2. Eelief, zwei Arme, die ein flammendes Herz halten. Darunter die Inschrift:


742


Dresden (Stadt), Der Klassicismus.


Nicht zu niedrich; nicht zu Hoch; Frisch gebaut; Gehöft auf Gott. Unsre zeit; vergeht geschwind; Nehmet sie an; wie Ihr sie findt. Ist sie böss, lasst sie vorüber; Ist sie gut, so freuet euch darüber. Anno 1776.

Zwingerstrasse Nr. 11. Hübsche Rococothüre.

Kanal gas se Nr. 1, 21, 23. Schlusssteine mit den Geräthen der Gerber,

Nr. 1 bez. J. L. B. (Bierling) 1777, C. B. B. erneuert 1831.

Rähnitzgasse Nr. 9. Hübsche Hausthüre aus der Zeit um 1780, mit Flach- schnitzereien noch in Rococoformen und alten Bronzeschildern.

Terrassenufer Nr. 10. Haus um 1770, Hausthor von 1800. Zwei Kugeln sind eingemauert.

Der Klassicismus.

Landhausstrasse Nr. 18. Wohnhaus in hübschen Formen aus der Zeit um 1790, namentlich die Sehauseite nach der Schiessgasse zu zeigt den Klassi- cismus dieser Periode.

Neuegasse Nr. 9 und 11. Gemeinsame bescheidene Facade, an den Fen- stern der Mittelrisalite Relief köpfe römischer Kaiser, in der Art des Dorsch. Um 1790.