Massive Open Online Course

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Der Begriff Massive Open Online Course (MOOC) bezeichnet eine spezielle Form von Onlinekursen, die entsprechend des Akronyms MOOC oft kein Teilnehmerlimit haben (Massive), kostenlos sind (Open), es keine lokalen Beschränkungen gibt (Online) und die Inhalte aktiv durch z. B. Hausaufgaben und Tests von den Teilnehmern umgesetzt werden müssen (Course).[1] Zu unterscheiden sind dabei xMOOCs von cMOOCs. Während erstgenannte im Wesentlichen dem Prinzip einer klassischen Vorlesung entsprechen,[2] beruhen cMOOCs auf der Idee des Konnektivismus und haben eher die Form eines Seminars oder Workshops.

Beschreibung

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Die xMOOCs haben ihren Ursprung in regulären Hochschulveranstaltungen, die nachträglich als Online-Kurs einer großen Anzahl von Teilnehmenden zur Verfügung gestellt wurden. Das dem Kürzel MOOC vorangestellte x steht für extension und rührt daher, dass die Harvard University in ihrem Vorlesungsverzeichnis Online-Varianten ihrer Kurse hinter der Kursnummer mit einem x versah.

Typische Elemente der xMOOCs sind Videos und Quizzes, in denen Testfragen beantwortet werden müssen. Je nach Art des Kurses können weitere Elemente hinzukommen, beispielsweise zu lesende Texte oder schriftliche Hausarbeiten, die wegen der hohen Zahl der Teilnehmenden nicht von der Kursleitung beurteilt werden, sondern von anderen Kursteilnehmenden.

xMOOCs werden meist durch Online-Foren begleitet, in denen sich Lernende austauschen können. Die Vernetzung untereinander ist jedoch kein integraler Bestandteil des Konzepts.

Beispiele zu Anbietern und Plattformen

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Beschreibung

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Dave Cormier beim schwedischen Skolforum 2012

Ausgehend von einem Oberthema und einem Zeitplan mit einigen festgelegten Abschnitten und Ereignissen stellen die Kursanbieter bei cMOOCs als Impuls einige in der Regel online verfügbare Ressourcen wie Texte oder Videos zur Verfügung. Die Teilnehmer entscheiden selbst, ob und in welcher Weise sie sich einbringen. Werden sie aktiv, erstellen sie selbst weitere Materialien, etwa in Form von Blogbeiträgen, Tweets, Videos oder Podcasts. Sie werden dem Kurs zur Verfügung gestellt und können fortan kommentiert, diskutiert oder erweitert werden. Auf diese Weise entsteht eine Vernetzung zwischen Lernenden und deren Inhalten, wie sie im Konnektivismus propagiert wird.[4] Diesem Ansatz (englisch: connectivism) entspringt das den MOOCs vorangestellte c.

Die Beteiligung erfolgt typischerweise in vier Stufen bzw. Hauptaktionen:[5]

Orientieren (Aggregate)
sich einen Überblick verschaffen und auswählen, was interessant erscheint
Ordnen (Remix)
ein Thema für sich strukturiert festhalten und nach Anknüpfungspunkten und Verbindungen zum eigenen Alltag suchen
Beitragen (Repurpose)
einen eigenen Beitrag oder Kommentar zu einem Thema verfassen
Teilen (Feed Forward)
die eigenen Beiträge mit anderen Teilnehmenden teilen

Andere Modelle sind denkbar.

Deutschsprachige cMOOCs

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  • OPCO11 (Weblink): erster deutschsprachiger MOOC. Thema: "Zukunft des Lernens"
  • OPCO12 (Weblink): deutschsprachiger MOOC über "Trends im E-Teaching - Der Horizon Report unter der Lupe" vom 16. April bis 21. Juli 2012
  • MMC13 (Weblink): deutschsprachiger MOOC "MOOC Maker Course" über das Planen und Durchführen eines MOOC, von 16. Januar 2013 bis 22. Februar 2013
  • Datenschutz bei Facebook & Co. Onlinekurs 2013 (Weblink): deutschsprachiger, von Studierenden durchgeführter MOOC zum Thema Datenschutz vom 14. Januar 2013 bis 28. Januar 2013
  • IDDG13 (Weblink): MOOC der größten Universität Deutschlands (FernUni Hagen) mit dem Titel "interdisziplinärer Diskurs zur digitalen Gesellschaft". "Open" ist dieser MOOC für alle Angehörigen der FernUni. Start ab 29.04.2013, Dauer: vier Wochen. Twitter-Hashtag #iddg13
  • COER13 (Weblink): deutschsprachiger Open Online Course zum Thema Open Educational Resources (OER), getragen von 6 Partneruniversitäten. Zeitraum April - Juni 2013
  • SOOC13 (Weblink): deutschsprachiger Open Online Course der TU Dresden, TU Chemnitz und Universität Siegen zum Thema "Lernen 2.0: Persönliches Lern- und Wissensmanagement mit Social Media" vom 13. Mai bis 14. Juli 2013. In den Partneruniversitäten können für einige Studiengänge Credit Points[6] erworben werden.

Das Thema MOOC erfährt besonders Anfang 2013 in der deutschen Presse eine hohe Aufmerksamkeit, die Berichterstattung beschränkt sich jedoch auf xMOOCs. Als besondere Chance wird die verbesserte Zugänglichkeit zu Lernangeboten hervorgehoben.[7] Dem gegenüber stehen jedoch Probleme didaktischer Natur. Der E-Learning-Forscher Rolf Schulmeister kritisiert in einem Vortrag die bis zu diesem Zeitpunkt wenig lernförderliche Aufbereitung der xMOOCs.[8] Die mitunter geringe Erfahrung einiger Lehrender mit der Organisation von Online-Veranstaltungen spiegelt sich zudem in verschiedenen Berichten wider: Ein Professor brach seinen xMOOC ab, weil er sich mit der gesteigerten Interaktion im Vergleich zu traditionellen Vorlesungen überfordert sah.[9] Ein anderer beendete vorzeitig einen Kurs wegen massiver technischer Probleme - bezeichnenderweise in einem xMOOC zum Thema "Fundamentals of Online Education: Planning and Application".[10] In der Kritik stehen xMOOCs ferner wegen der geringen Absovierendenquote. Anhand frei zugänglicher Daten wurde ermittelt, dass oft nicht einmal 10% der TeilnehmerInnen den Kurs erfolgreich abschließen. Als Gründe werden beispielsweise genannt:[11]

  • TeilnehmerInnen stellen fest, dass der MOOC doch zu viel Zeit erfordert
  • Ermüdungserscheinungen durch das rezeptive Vortragsformat
  • allgemein schlechtes didaktisches Design des Kurses

Außer acht gelassen wird jedoch dabei, dass sich nicht alle TeilnehmerInnen zwingend den Erwerb eines Zertifikates zum Ziel gesetzt haben müssen und möglicherweise daher nicht an den vorgesehenen Prüfungen teilnahmen. Dieser Aspekt stell gleichzeitig ein Nachteil von MOOCs dar. Denn ohne eine Zulassungsbeschränkung respektive ein Abschlusszertifikat, besteht unter Umständen weniger Erfolgsdruck. Das geht auf das Prinzip der versunkenen Kosten zurück.

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Einzelnachweise

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  1. Vgl. MOOC: Bildung für alle!. In: IONOS Digital Guide, 3. Juli 2020.
  2. Vgl. Rolf Schulmeister: As Undercover Students in MOOCs (Video)
  3. The New Equation For Free Education: MITx + HARVARDx = edX; Beitrag von James Marshall Crotty auf Forbes englisch
  4. Vgl. etwa Alexander McAuley, Bonnie Stewart, George Siemens, Dave Cormier: The MOOC Model for Digital Practice. S. 4-5 (PDF-Datei; 471KB).
  5. Vgl. Jochen Robes: Massive Open Online Courses: Das Potenzial des offenen und vernetzten Lernens S. 3 (PDF-Datei; 764KB).
  6. SOOC13: Erwerb von Credit Points http://www.sooc13.de/organisation/erwerb-von-credit-poins/
  7. Vgl. Fridjof Küchemann: Die Globalisierung der Lehre. In: FAZ.net, 13. März 2013 und Christoph Drösser, Uwe Jean Heuser: Harvard für alle Welt. In: DIE ZEIT, Nr. 12, 14. März 2013, S. 35-36.
  8. Vgl. Rolf Schulmeister: As Undercover Students in MOOCs (Video)
  9. Vgl. Derek Bruff: Prof Leaves MOOC Mid-Stream.
  10. Vgl. Steve Kolowich: Georgia Tech and Coursera Try to Recover From MOOC Stumble. In: The Chronicle of Higher Education.
  11. Open Culture MOOC Interrupted Top 10 Reasons Our Readers didn't Finish a Massive Open Online Course