Benutzer:H.-P.Haack/Entwicklung der Psychiatrie/ SPK Heidelberg 1970 – 1972.

Das Sozialistische Patientenkollektiv Heidelberg. Ein Kuriosum der Psychiatriegeschichte.Bearbeiten

 
Dritte Auflage 1973


Der Zeitgeist der Studentenunruhen von 1968 hatte in Heidelberg länger nachgewirkt als in anderen Universitätsstädten. Im Februar 1970 wurde von Dr. Wolfgang Huber, Assistenzarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg und 52 Patienten das so genannte Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) gegründet. Es verstand sich als Therapiegemeinschaft und wollte aus der Krankheit eine Waffe machen. Seine Anhänger konnte Dr. Huber für die frappante Ideologie gewinnen, Erkrankungen seien die Folge der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Demzufolge seien Krankheiten eine Form von Protest und psychisch Kranke revolutionäres Potenzial.

Die Gefolgsleute von Dr. Huber waren neben psychiatrischen Patienten und unkritischen Mitläufern auch Persönlichkeiten, die ihrem überdurchschnittlichen Aggressionspotential eine Richtung, eine Rechtfertigung geben wollten. Sie wechselten später zur RAF.

In dem auf 500 Mitglieder gewachsenen Kollektiv machten Strafverfolger einen inneren Kern aus, den sie als kriminelle Vereinigung einstuften. Am 19.12.1972 wurden Dr. Wolfgang Huber und Dr. Ursel Huber zu je 4 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zitat aus der abgebildeten Broschüre:

Die Krankheit ist einerseits Produktivkraft, andererseits, als Identität von Produktion und Destruktion, Begriff der Produktionsverhältnisse. Der Grundwiderspruch von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen ist also so aufzufassen, dass die Krankheit die umfassende Notwendigkeit ist, die ihr eigenes Gegenteil produziert, die Revolution. Die Kranken sind somit an sich und als bewusst Leidende für sich die revolutionäre Klasse.

Der Einfall, Krankheit sei Produktivkraft und Begriff der Produktionsverhältnisse sowie die absurde Schlussfolgerung, dass die Krankheit die umfassende Notwendigkeit ist, die ihr eigenes Gegenteil produziert, die Revolution, deuten auf eine Denkstörung, wie sie bei blanden Psychosen vorkommt. Auch der verstiegene Duktus ist psychopathologisch auffällig.


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