Fortunino Matania

Fortunino Matania (* 16. April 1881 in Neapel; † 8. Februar 1963 in London) war ein italienischer Künstler, der vor allem für seine realistische Darstellung des Krieges bekannt wurde. Er galt als Vertreter der künstlerischen Bewegungen des Realismus sowie des Naturalismus. Während des Ersten Weltkrieges war er als Kriegsmaler tätig und arbeitete u.a. für die englische Zeitschrift The Sphere in London.[1]

Matania verbrachte den Großteil seines Lebens in London[2] und beeinflusste Millionen Menschen mit seinen Kriegsdokumentationen, die während des Ersten Weltkriegs von Zeitschriften veröffentlicht wurden.[3]

Herkunft und Familie

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Geboren in Neapel, wuchs Fortunino Matania in einer künstlerischen Umgebung auf. Sein Vater, Edoardo Matania besaß ein Kunststudio und war selber als Maler und Illustrator tätig. Schon in den jungen Jahren arbeitete Fortunino Matania mit seinem Vater zusammen. Seine Mutter war Clelia Della Valle, Tochter eines borbonischen Oberst aus Neapel. Matania hatte fünf Geschwister: Francesco (der auch Illustrator war), Maria, Evelina, Anna und Erminia. Fortunino hatte eine Tochter Clelia Matania, die Schauspielerin war.

Zeit in Neapel (1881–1902)

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Im Alter von 9 Jahren illustrierte er seine erste Werbung, mit 14 sein erstes Buch [4]. Als Fünfzehnjähriger, im Jahre 1896, stellte Fortunino Matania eines seiner ersten Werke "La piccola massaia" bei einer Kunstaustellung der Società promotrice di belle Arti vor. Zu dieser Zeit war sein Vater in Mailand im Verlag Treves als Illustrator tätig, wodurch Fortunino Aufträge im Bereich der Illustration bekam. Er arbeitete vor allem mit der Zeitschrift L'Illustrazione Italiana zusammen. Sein Talent wurde auch von anderen, älteren Illustratoren erkannt, wie Gennaro Amato, der mit Fortuninos Vater befreundet war und u.a. mit der englischen Zeitschrift Illustrated London News und mit der französischen L'Illustration arbeitete.

Zeit in London (1902-1963)

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Gennaro Amato führte den jungen Fortunino Matania in das europäische Zeitschriftenwesen ein und 1902 zog Matania nach London, wo er von The Graphic eingestellt wurde und gleichtzeitig bei L'Illustration, sowie bei The Illustrated London News arbeitete. 1909 wurden seine Werke in Liverpool an der Autumn Exhibition of Modern Art der Walker Art Gallery ausgestellt. Nachdem er drei Jahre für The Graphic gearbeitet hatte (von 1902 bis 1905), unterschrieb Fortunino Matania mit der englischen Zeitschrift The Sphere einen Arbeitsvertrag, wo er bis 1926 arbeitete. Oft wurden seine künstlerischen Fähigkeiten gebraucht um Krönungen, Feierlichkeiten, offizielle Staatsbesuche, Gedenkfeiern oder andere relevante öffentliche Ereignisse abzubilden. Aus diesem Grund wurde er auch als Sonderberichterstatter in andere Länder geschickt, wie Deutschland oder Portugal. Im Jahr 1906 reiste er nach Ägypten, Wales, Irland, Norvegen und Dänemark. 1909 erfüllte er Aufträge in Holland und Spanien. 1911 reiste er dann nach Indien, wo er drei Monate verbrachte und viele Zeichnungen produzierte, die beim Publikum große Zustimmung fanden.

Beim Ausbruch des ersten Weltkrieges befand sich Fortunino Matania in England, wo er noch bei The Sphere als Illustrator tätig war. 1916 wurde er offizieller Kriegsmaler und arbeitete auch bei The War Illustrated, The Strand Magazine und The Tatler, sowie Britannia and Eve. Während dieser Zeit war er in erster Linie an der Kriegsfront, wo er realistische Abbildungen des Krieges schuf. Wenn er keine Möglichkeit hatte selber vor Ort zu gehen, führte er Interviews mit Augenzeugen und ließ sich die Geschehnisse genau erzählen. Während er die Kriegszeugen befragte, ließ er sich mithilfe von Spielzeugsoldaten die genauen Positionen der Soldaten erklären. Er besaß in seinem Studio eine große Anzahl an Uniformen, Waffen und andere Requisiten um jedes Detail in seinen Werken richtig auffassen zu können [5]. Seine Werke wurde wöchentlich veröffentlicht und waren entweder auf dem Titelblatt oder sie besetzten zwei Seiten in der Mitte der Zeitschriten. Seine Berühmtheit wuchs während dieser Zeit, weil sich die Leser ein Bild des Krieges anhand seiner realistischen und detaillierten Zeichnungen machten. Seine Werke zeigten die rohe Härte des Krieges, aber auch die Menschlichkeit der Soldaten.[6]

Fortunino Matania hatte im Jahre 1914 das Bild Il quadro del soldato Tandey gezeichnet. Es handelte sich um eine Kriegsszene: Der britische Soldat Henry Tandey trägt einen verwundeten Kameraden während der Schlacht von Ypern auf dem Rücken, weg vom Schlachtfeld. Einige Jahre später, am 28. September 1918, traf Tandey bei Marcoing auf Adolf Hitler. Tandey lies den damals verletzten Gefreiten laufen, anstatt ihn zu erschießen. Nachdem Jahre später Hitler die Macht in Deutschland übernommen hatte, wurde ihm eine Kopie des Bildes Il quadro del soldato Tandey zugesendet, die er in seiner Sommerresidenz Berchtesgaden als Andenken bewahrte. [7] [8]

Fortunino Matania hatte ein fotografisches Gedächtnis. Als er im Jahre 1902 bei der Krönung von Eduard VII. eingeladen wurde, nutzte er diese Fähigkeit aus, denn in Westminster Abbey waren keine Skizzenbücher erlaubt [9].

Künstlerische Richtung

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Fortunino Matania war ein Vertreter des Realismus und des Naturalismus. Bereits in seiner Jugend entwickelte er eine Leidenschaft für die Darstellung des Echten, wobei er sich stark an den Stil des Neoklassizismus und an der Akademischen Kunst anlehnte. Er beschäftigte sich also sein Leben lang mit Themen der Aktualität sowie der Geschichte, ins besondere stellte er Szenarien der Antike dar. Er folgte dem künstlerischen Trend der Historienmalerei der in England dank dem niederländischen Künstler L. Alma Tadema sehr beliebt war. Dieser Gattung nach wurden nicht nur Zerimonien oder Ereignisse abgebildet, sondern auch häusliche Szenen.

Matania folgte seinem persönlichen Schönheitsideal, das - nach seiner Fassung - mit "fotographischem Auge" erreichbar war, d.h. dass er sehr auf Kleinigkeiten und Details achtete, um seine Bilder so realistisch wie möglich zu gestalten. [10]

Während des Ersten Weltkriegs benutzte er seine künstlerische Begabung um Kriegsbilder zu schaffen. Da er damals in London lebte und arbeitete, war seine Solidarität der britischen Armee gerichtet. Die Bilder, die während dieser Zeit entstanden, hatten die Aufgabe so wenig defätistisch zu sein und die Kriegsstimmung an der Heimatfront (in Großbritannien) hoch zu halten. Seine Kriegswerke hatten also nicht nur einen informativen Zweck, sondern auch einen politischen (also auch einen propagandistischen Zweck). [11]

Neuve-Chapelle (1915)

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Im Jahre 1918 stellte Fortunino Matania eine seiner Kriegsmalereien an der Royal Academy vor. In diesem Bild wird eine Kriegssituation in einem Graben während der Schlacht von Neuve-Chapelle gezeigt. Im Hintergrund sieht man wie ein Geschoss der deutschen Artillierie auf einer Seite des Grabens eingetroffen ist. In der Explosionswolke sind einige Trümmer zu sehen, die in der Luft geschleudert werden. Die Bildmitte ist mit Soldaten besetzt, die während des Angriffes bestmöglich Schutz suchen. Hierbei steht im Fokus des Betrachters vor allem ein Mann, der unversehrt ist und seine Kameraden anschaut. Eine Mögliche Interpretation der Absicht des Malers wäre hier, die Darstellung des Vertrauens des unversehrten Mannes in den Sieg, trotz des starken Angriffes.Dieser Soldat steht bei dieser Betrachtungsweise für die Möglichkeit des Kippens der Situation. [12] Fortunino Matania besuchte das Schlachtfeld. Die Zeitschrift The Sphere veröffentlichte 1918 eine Kopie des Bildes mit der Schlagzeile "A war picture at the Royal Academy which is an actual document" (engl. für: Ein Kriegsbild bei der Royal Academy, dass ein aktuelles Dokument ist). Matania erklärte auch wie er in seinem Garten, für die Erstellung des Bildes, einen Graben nachbaute. [13] [1]

The Last General Absolution of the Munsters at Rue du Bois (1916)

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Das Bild zeigt den irischen Priester Francis Gleeson, am Vorabend der Schlacht von Aubers Ridge des 9. Mai 1915, während er für den 500 Männern des Bataillons der Royal Munster Fusilliers den Sündenerlass ausspricht.[14] Während der Ausseinandersetzung auf dem Schlachtfeld, starben die meisten Männer der Royal Munster Fusilliers innerhalb der ersten 24 Stunden [15].

Fortunino Matania war bei dieser Zeremonie nicht dabei, allerdings schuf er das Bild nach den Beschreibungen von der irischen Novellistin Jessie Louisa Rickard. [16] [17] Die Zeichnung erschien dann erstmals in einer Ausgabe der englischen Zeitschrift The Sphere. Nach der Veröffentlichung wurde sie zu einer berühmtesten Abbildungen des Krieges in Irland, wo Kopien des Bildes sich im ganzen Land stark verbreiteten. Als die öffentliche Meinung zum Krieg sich veränderte und die Kriegsbegeisterung abnahm, verlor das Bild an Bedeutung und verschwand mit der Zeit von der Öffentlichkeit. Der Standort des Originalwerks ist bis heute unbekannt (Stand 2017), manche Historiker vermuten es sei zerstört worden, während andere vermuten, dass es in Privatbesitz sein könnte. [18]

Soldiers escorting wounded men from a war (1916)

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Werk (1916): World War One: soldiers escorting wounded men from a war

Auf diesem Bild sind mehrere britische Soldaten zu sehen, die verletzt einen Rückzug machen. Einige dieser Soldaten sind schwer verwundet und werden von Anderen, weniger verwundeten, getragen oder beim Laufen unterstützt. Matania stellt hier die Kameradschaft und den Mut der Männer dar, die bei der Schlacht von Le Cateau involviert waren. Diese Schlacht ging in der militärischen Geschichte Großbritanniens als "unherenhaft" ein. Im Vordergrund der Komposition des Bildes, sticht der Soldat mit gebrochenem Arm hervor, der seinem erblindeten Kameraden die Hand hält um ihn zu führen und somit die menschliche Entschlossenheit beweist. Dazu steht dieser Soldat sehr aufrecht und beweist damit Stärke, obwohl die Situation tragisch. Der Soldat, der gegenüber des Betrachters steht, erinnert an die Figur des Apostel Andreas von Pierre Monot in der Lateranbasilika in Rom. Es scheint, als würde der Mann in einem Akt religiösen Glaubens auf die Erlösung warten. Es ist bekannt, dass Matania bei dieser Ausseinandersetzung nicht persönlich vor Ort war, doch sein realistischer Stil verschaffte dem Glaubwürdigkeit und gleichzeitig den Konsens des bewegten Publikums. [19]

Literatur

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  • Enzo Cassoni: Il Cartellonismo e l'illustrazione in Italia dal 1875 al 1950. Nuova Editrice Spada, Roma 1984, ISBN .

Einzelnachweise

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  1. http://www.matania.it/portfolio/fortunino-matania/
  2. http://www.treccani.it/enciclopedia/fortunino-matania/
  3. http://lagranguerra1914-1918.blogspot.co.at/2008/09/fortunino-matania-del-pathos-la.html
  4. http://blog.maryevans.com/2014/07/fortunino-matania-the-great-war-artist-enjoying-a-revival-.html
  5. http://blog.maryevans.com/2014/07/fortunino-matania-the-great-war-artist-enjoying-a-revival-.html
  6. http://lagranguerra1914-1918.blogspot.co.at/2008/09/fortunino-matania-del-pathos-la.html
  7. http://www.berliner-zeitung.de/ein-britischer-soldat-verschonte-ihn-im-ersten-weltkrieg-wie-adolf-hitler-das-leben-geschenkt-wurde-16253248
  8. https://www.quora.com/Did-a-soldier-really-spare-Hitler-in-WW2-It-said-this-at-history-com
  9. http://blog.maryevans.com/2014/07/fortunino-matania-the-great-war-artist-enjoying-a-revival-.html
  10. http://www.matania.it/portfolio/fortunino-matania/
  11. http://lagranguerra1914-1918.blogspot.co.at/2008/09/fortunino-matania-del-pathos-la.html
  12. http://lagranguerra1914-1918.blogspot.co.at/2008/09/fortunino-matania-del-pathos-la.html
  13. https://yooniqimages.com/images/detail/216337588/Creative/neuve-chapelle-1915-by-matania
  14. http://www.rcbishopricforces.org.uk/podcasts/reflection-on-the-ww1-painting-the-last-general-absolution-of-the-munsters-by-fortunino-matania/
  15. http://www.irishtimes.com/news/politics/mystery-surrounds-location-of-haunting-image-of-irish-soldiers-in-first-world-war-1.1886612
  16. http://www.rmfa92.org/rmfa_la/rickmrs3.html?iframe=true&width=900&height=800
  17. http://www.rmfa92.org/rue-du-bois-on-8-may-1915/
  18. http://www.irishtimes.com/news/politics/mystery-surrounds-location-of-haunting-image-of-irish-soldiers-in-first-world-war-1.1886612
  19. http://lagranguerra1914-1918.blogspot.co.at/2008/09/fortunino-matania-del-pathos-la.html


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