Kurs:Paläographie/Übung 2/Arbeitsbereich

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Nur kurz: bitte entschuldigt meine lange Abwesenheit. Ich hab den Kurs nicht vergessen, aber es blieb einfach keine Zeit übrig... Ich hoffe am WE hier wieder ein bisschen eingreifen zu können, aber leider werde ich in den nächsten Wochen nicht besonders präsent sein können. (IRC läuft übrigens immer noch nicht und steht auf meiner Prioritätenliste auch grade eher unten als oben *g*) Herzlichen Gruß, --Jonas kork 10:22, 12. Okt. 2006 (CEST)

Das trifft sich gut, denn ich habe endlich auch wieder etwas Zeit. -- Timo Müller Diskussion 16:41, 12. Okt. 2006 (CEST)

Aktuell (16.10.)

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Die Aufgabe 1b ist ja nun schon seit vielen Wochen gelöst. Ihr habt Euch sogleich auf andere Texte in der Manessischen Handschrift gestürzt. Einerseits freut mich Euer Engagement, andererseits fehlt mir leider die Zeit, diese Extra-Strophen korrekturzulesen. Wenn Ihr daran weiterarbeiten möchtet, korrigiert Euch gegenseitig; und mit etwas Glück kann ich zwischendurch auch mal Zeit dafür erübrigen.

Ansonsten möchte ich vorschlagen, an der Tagelied-Übung im engeren Sinne weiterzumachen ;-)

  • ich habe die Lösungsseite gestartet
  • die zeilen- und versweise Transkription von 19C bis 21C habe ich aus dem Arbeitsbereich gelöscht; die Aufgabe war von den Kursteilnehmern im September 2006 bereits gelöst
  • die übrigen Transkriptionen, die nicht unser Tagelied betreffen, habe ich für Euch stehen lassen - vielleicht wollt Ihr ja weitermachen?
  • Da die Aufgabe 2 (Vergleich mit der Edition) nur einen tendentiell stupiden Vergleich zwischen zwei Textversionen beinhaltet, schlage ich vor, direkt zur spannenderen Übung drei überzugehen: Textverständnis :-)
  • Aufgabe 3a: Ich habe ein bisschen Starthilfe gegeben. Haut einfach mal rein - es geht hier nur um die äußere Form der Wörter, nicht um den Sinn (das kommt dann in 3b)...

Viel Vergnügen wünscht Jonas kork 18:36, 16. Okt. 2006 (CEST)

Da bereits im Vorfeld die Befürchtung geäußert wurde, dass Aufgabe 3 (Textverständnis) nicht zu bewältigen sei, wäre ich Euch dankbar, wenn Ihr mir genau sagen könntet, wobei die Probleme auftauchen: Beim Erraten der neuhochdeutschen Wortform? Beim Suchen des Wörterbucheintrages (normalisiertes Mittelhochdeutsch)? Beim Verbinden der übersetzten Wörter zu einem zusammenhängenden Text? Ich glaube, gerade hat einfach niemand Zeit für den Kurs? Gruß, --Jonas kork 17:08, 25. Okt. 2006 (CEST)

Aufgabe 1b)

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(Platz für nachträglich hinzugekommene Kursteilnehmer)

Zeilenweise Transkription

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Versweise Transkription

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andere Strophen (gehört nicht zum Übungsprogramm)

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Zu finden auf Blatt 27v

Du aventure spottet min. Was
wolte si mir so getvret. da von
ich mvos geswachet sin. si hat
ir suesse wol gesvret wie hat
si svs zemir getan. si gab mir
des ich niht enhan. was tög mir golt in indyan[imdyam]
Karfvnkel ist ein stein genant. von dem
saget man wie liehte er schine. der ist
min vnd ist das wol bewant. zoche lit er
in dem veine. de kumt also den weisen hat
net dirre als ime tuot der. behalten ist mui
frowe als er.
Von Paulis und Schangel89
Singent vogel singent miner frowen
der ich sanc. ich sanc vmbe alle ir ere
vnd vmbe ir werden frundes lip. den beiden
dien ich gerne ir so dient ich ane waenc.
das truwe ich wol erwenden sit sich das
wnder schone wip. eines riters vnd ir eren
hat bewegen. ich pflag ir her nv mvesse
it got der riche pflegen. vnd helf ime wol
von hinnen er hat zelange lne gelegen
Ich zuige es vf der cleinen vogelline morgen
xarax und Paulis
senic das ich dir han gleistet riter swas
ich leisten sol. dime libe vnd miner frowen
her des mich min truiwe ie twanc. dast
huire vnd iemer mere bist bewacht vnd be
huitet wol wan das ir zorn gegen tage
mir zwiuel git nv weke in frowe ich sin
ge im rehte scheidens zit. nv hete din sel
bes riter gros angest bi der liebe liv.
Ich bin vnsanfte er weket frowe ob ich ent
slafen was. von manigem vogel sange die
dich da froewent gegen dem tage. ich horte
lute singen den wahter vf dem palas. als
er vns hat bescheiden mit sange hoete ich si
ne dage wie hastv selic wib mich das ver
daget. das dv niht spreche riter wache ich
wen es taget. nv mvos ich von dir scheiden
gros angest mich von liebe iaget.
Von Schangel89 und Paulis


kvnnt er der mir da kommen sol
der mir

Ihr dürft gerne die anderen Gedichte aus der Handschrift auch transkribieren - aber ich als Betreuer möchte mich erstmal auf Wie sol ich den ritter (19-21C) konzentrieren. Die kleinene Zahlen beziehen sich auf die folgende Strophe; Du hast den Anfang von 22C transkribiert. Zwei Wörter enthalten Fehler. Aber wie gesagt: Lasst uns erstmal den einen Text machen. Mit der Erfahrung aus dieser Übung können wir dann die Aufgabenstellung für einen zweiten Text der Handschrift (falls überhaupt gewünscht) vielleicht verbessern. --Jonas kork


Wieviele Schriftzeichen "u" (nicht "v"!) findest Du in jeder Strophe?

Übung 3

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a) neuhochdeutsche Form der Wörter?

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Es handelt sich hierbei nicht um eine Übersetzung!

19C

Wie - soll - ich - den - Ritter - nun - gescheiden?
und - das - viel - schöne - Weib
die - dick? - bei - einander - waren - eh?
denen - rate - ich - an - rechten - Treuen - beiden
und - auf - ihren - selber - Leib
dass - sie - sich - scheiden - und - er - dannen - gehe
Maße - ist - zu allen - Dingen - gut
Leib - und - Ehre - ist - unbehütet
ob - man - icht? - länger - liegt
ich - ensinge? - echt? - anders - nicht - wann - es - ist - Zeit

b) sinngemäße Aussage der einzelnen Strophen?

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c) Wörter nachschlagen

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Wenn Ihr ein Wort nicht versteht: könnt ihr die Grundform erraten bzw. den Wörterbucheintrag finden?

Als Starthilfe sind hier beispielhaft die ersten Zeilen durchgegangen:

Wie soll ich den Ritter nun gescheiden(?)
und das viel schöne Weib

"viel schön", das bedeutet wohl: "sehr schön". Wir schlagen sicherheitshalber bei Lexer nach (vil), und dort steht tatsächlich unter anderem "sehr (zur steigerung von adj. u. adv.)". "Weib" sagt man heute nicht mehr (es sei denn abwertend), bei Lexer steht zu wîp: weib, allgem. u. zwar: gegens. zu [Mann]. Es war also im Mittelhochdeutschen der ganz normale Ausdruck für ein weibliches (menschliches) Wesen, und im Neuhochdeutschen sagen wir dafür "Frau". Nun klingt "die sehr schöne Frau" komisch, weil wir "sehr schön" normalerweise nicht so verwenden (wir würden eher sagen: "eine sehr schöne Frau" oder "Du bist sehr schön"). Also sind wir so frei und entscheiden uns für "die wunderschöne Frau". :-)

Aber was ist mit gescheiden gemeint? Der Eintrag bei Lexer ist etwas umständlicher, und ich erkläre ihn hier schrittweise:

intr. sich trennen von PARZ. MS. BPH. 9502. dan g. IW.;

"intr." steht für intransitiv, d.h. ohne direktes Objekt. Danach steht die Übersetzung "sich trennen von", danach stehen Kürzel für Texte, in denen das Wort so verwendet wird - die interessieren uns jetzt nicht. Bei uns im Text heißt es wie soll ich den Ritter gescheiden, "den Ritter" ist direktes Objekt; das Verb ist bei uns also transitiv (Lexer kürzt das mit "tr." ab). Damit können wir den Abschnitt "intransitiv" ebenso wie den folgenden ("reflexiv", d.h. mit einem Reflexivpronomen: ich gescheide mich, du gescheidest dich, er gescheidet sich) getrost überspringen.

refl. sich trennen, scheiden PARZ. GUDR., mit gen. TROJ., mit von TIT. WALTH. BARL. daჳ ich von ir dienste mich gescheide MSH. 1, 121b;
– tr. scheiden, trennen IW. g. von PARZ. TRIST. KREUZF.;
beilegen, schlichten FREID. TROJ.;
erklären, deuten GEN.;
anordnen, bestimmen, einen andern wec g. KINDH. 82,36

Aha. Transitives gescheiden, so wie wir es haben, hat verschiedene Bedeutungen. Lexer grenzt diese immer mit einem Semikolon (;) ab. Eigentlich passt nur die erste: "scheiden, trennen". "Scheiden" heißt hier aber nicht "eine Ehe auflösen", sondern einfach "trennen, von einander lösen" - so wie im Volkslied: Scheiden tut weh. Das Wort "verabschieden" ist übrigens etymologisch damit verwandt.

Wir übersetzen also die ersten beiden Zeilen:

Wie soll ich den Ritter nun trennen
und die wunderschöne Frau

Weiter gehts mit einem Relativsatz:

die dick? bei einander waren eh?

Da schauen wir gleich wieder bei Lexer nach: dicke bedeutet "dicht, dick" oder auch "oft, häufig". In unserem Satz passt vielleicht "eng" am besten. Und dann steht da ein einzelnes "e"; wir suchen das einfach mal bei Lexer und finden heraus, dass er immerhin fünf Einträge für e kennt. Aber man merkt sofort, dass die ersten drei nicht ernsthaft in Frage kommen. Die anderen beiden sind Verweise, das eine auf êr, das andere auf êwe. Wenn wir uns beide ansehen, ergibt sich, dass êwe als Substantiv nicht gut passt. Damit bleibt nur êr/ ê, und das heißt soviel wie "früher". Das Wort steckt in dieser Bedeutung auch noch in "ehedem" und "ehemals".

Wir übersetzen:

die vorher eng bei einander waren