Benutzer:H.-P.Haack/Entwicklung der Psychiatrie/Ein weiteres Kuriosum 2001.

Der Postbote als psychiatrischer OberarztBearbeiten

 
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Postel, Gert: Doktorspiele. Geständnisse eines Hochstaplers. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. med. Gert von Berg, Münster. Lektorat Pamela Müller-Scherf. Frankfurt am Main: Eichborn 2001, 191 S.


Der Briefzusteller Postel hatte sich mit erschlichenen Zeugnissen und Urkunden über Jahre als Oberarzt in einem psychiatrischen Krankenhaus halten können, sogar als psychiatrischer Gutachter vor Gerichten. Überführt wurde er nicht aufgrund fehlender Fachkenntnisse, sondern aus seinem früheren Bekanntenkreis. Bestehen konnte der Postbote gegenüber den Stations- und Assistenzärzten – man glaubt es kaum – mit hochtönenden Versatzstücken aus dem Sprachgebrauch der psychodynamisch orientierten Psychiatrie. Auch Vorträge, die er vor Ärzten hielt, erregten keinen Verdacht. Eine derartige Nasführung ist in einem anderen medizinischen Fach undenkbar und in der Psychiatrie nur möglich mit deren geisteswissenschaftlich (versus naturwissenschaftlich) determiniertem Vokabular.

1999 wurde Postel vom Landgericht Leipzig wegen mehrfachen Betruges und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Nach seiner vorzeitigen Entlassung im Januar 2001 veröffentlichte Gert Postel das hier abgebildete Buch.

"Man sagt das nicht gerne über sich selbst: aber eigentlich bin ich ein Nichts. Ein ehemaliger Postbote mit mittlerer Reife, der immer wieder den Akademikern zeigt, daß man nicht unbedingt studiert haben muß, um als Akademiker zu gelten. Erst die schmunzelnde Hochachtung [?] meines Publikums nach meiner Entdeckung macht aus dem Nichts eine reale Person." (S. 90)


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