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Universität Augsburg

Lehrstuhl Deutsch als Zweitsprache

Aufbaumodul Interkulturelle Kommunikation und Spracherwerb

Interkulturelle Identität und Globalisierung

Eva Sondershaus

WiSe 2012/13



von

Konstantin Däubler

und

Josephine Cyrol


Hypothese

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Das diktatorisch- sozialistische Regime spiegelt sich im Schulsystem der DDR wieder.


Ein geschichtlicher Einblick

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Besatzungszonen in Deutschland und Österreich

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das deutsche Gebiet unter den vier alliierten Siegermächten (GB, USA, UdSSR, Frankreich) in vier Sektoren aufgeteilt und die Entstehungsgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die den sowjetischen Sektoren (unter Führung der UdSSR) darstellte, begann.


Alle 4 Siegermächte des Krieges hatte sich in einigen Abkommen darauf geeinigt, die Nachwirkungen des Dritten Reiches radikal zu beseitigen. Dadurch kam es in allen Zonen unter anderem zur Demokratisierung, um den Nationalsozialismus auf deutschem Boden zu vernichten.

Die Gründung der DDR und die SED

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In dieser Zeit gab es in der sowjetischer Besatzungszone (SBZ) noch 2 Führungsparteien, nämlich die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Sozialistische Partei Deutschlands (SPD). Doch durch den Zwang der Sowjetunion entstand 1946 aus den beiden Parteien die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). 1947 wurde die „Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden“ unter der Leitung der SED gegründet. Diese brachte wiederum 1948 in der SBZ den 1. Deutschen Volksrat hervor, welcher ein Volksbegehren zur deutschen Einheit veranlasste und einen Verfassungsausschuss unter Leitung von Otto Grotewohl aufsetzte. Der Entwurf für die "Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik" des Verfassungsausschusses wurde im März 1949 vom Volksrat formell beschlossen. Aufgrund von Einheitslisten erfolgten im Mai 1949 die Wahlen zum 3. Deutschen Volkskongress. Allerdings wurden die Mandate schon zuvor zwischen den Parteien und den Massenorganisationen der DDR verteilt. Der Protest der Bevölkerung zeigte sich durch über 31% Nein-Stimmen und über 6% ungültigen Stimmen. Der 2. Deutsche Volksrat wurde von den Diligierten des 3. Deutschen Kongresses aus den eigenen Reihen gewählt und der Verfassungsentwurf angenommen. Der Volksrat trat im Oktober 1949 unter Führung von Wilhelm Pieck in Ost-Berlin zusammen. Darauf erklärte er sich zur Volkskammer der DDR und beauftragte Otto Grotewohl mit der Regierungsbildung. Wilhelm Pieck wird zum ersten Präsidenten der DDR gewählt. So entstand die DDR als zweiter deutscher Staat.

Natürlich brachte jeder Besatzer seine eigenen Werte und Vorstellungen mit in die Zone. Bei der UdSSR gehörten der Sozialismus und Kommunismus mit dazu.

Sozialismus und Kommunismus

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Die DDR wurde von Anfang an durch die SED regiert, welche sowohl die politische als auch die militärische Macht an sich gerissen hatte. Auch die Verfassung wurde nach den Richtlinien der SED ausgearbeitet. Für die sowjetische Wirtschaftsform (Sozialismus) wurden auch in der deutschen Besatzungszone alle Weichen gestellt, um diese einzuführen und die Entwicklung hin zum Kommunismus zu ermöglichen. Der Kommunismus wurde als Vorstellung erstmals von Karl Marx formuliert und stellt das Bild einer Gesellschaftsordnung dar, in der alle Menschen gleich gestellt sind und der Gesamtbesitz allen gleichermaßen gehört, sodass alle Bedürfnisse ausreichend gestillt werden können. Dies setzt eine Entwicklung im Sozialwesen, in der Politik und Wirtschaft voraus, wobei die alten Werte und Vorstellungen von den neuen, "besseren" abgelöst werden. Die Entwicklung oder dieser Übergang wird durch den Sozialismus. Der Aufbau des sowjetische Sozialismus, der als Vorbild diente, war das Ziel der Politiker in der DDR. Er sollte eine Art Misch-/Übergangsform zum Kommunismus, eine erste Phase dessen sein, welche den Kapitalismus ablösen würde. (Denn auch in der UdSSR war die Wirtschaftsform des Kommunismus noch nicht erreicht.) Die Klassen und Schichten der Gesellschaft sollten auf dem Weg hin zum Kommunismus aufgehoben werde und somit alle Bürger auf eine gemeinsame Ebene setzen. Jeder sollte an der Produktion, die wichtig für den Wiederaufbau des Landes und dessen Bestand war, nach Möglichkeit mit all seinen Fähigkeiten und Können mitwirken. Möglich war das nur, indem man den Kapitalismus bekämpfte und somit den Besitz der „Oligarchen“ enteignete und unter der Gesellschaft aufteilte und nutzte.

Neben der Enteignung vieler landwirtschaftlicher Großbetriebe im Zuge der Bodenreform von 1945, betrafen die sozialen Folgen der veränderten Eigentumsverhältnisse natürlich auch die Kriegsverbrecher und „Naziaktivisten“. Diese Enteignungen hatten positive und negative Folgen. Flüchtlinge, entlassenen Kriegsgefangene, Vertriebene und Landarbeiter profitierten davon, da sie dadurch wenigstens etwas zum Leben oder Arbeiten vom Staat erhielten. Die enteigneten Großbetriebe erhielten jedoch keine Entschädigung dafür, was für viele nicht nur den sozialen Abstieg bedeutete. Diese Phase war einerseits durch eine beginnende Demokratisierung und zum anderen durch einen radikalen Antifaschismus geprägt („antifaschistisch- demokratische Bildungsreform“, 1945- 1948/49). Letzteres traf bei der Bevölkerung auf breite Zustimmung und führte zu der Neuorganisation aller Verwaltungsapparate, in der Justiz, in der Bildung, das Beamtentum wurde abgeschafft, zur Entnazifizierung in allen Bereichen, weshalb es zu zahlreichen Entlassungen kam. Der soziale Abstieg der einen machte den Weg zum Aufstieg der anderen frei (Neulehrer, Volksrichter, Neuwissenschaftler). 1946 wurde das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ erlassen und instruierte eine veränderte soziale Struktur.

Das Schulsystem

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Um alle Spuren des nationalsozialistischen Regimes zu beseitigen, musste die gesamte Sozialstruktur der sowjetischen Besatzungszone umstrukturiert werden. Dazu diente auch das 1946 erlassene „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“. Da sich die Siegermächte auf eine Demokratisierung Deutschlands geeinigt hatten, deutete das Gesetzt in eben diese Richtung. Die damit einsetzende Schulreform wurde von der „Deutschen Verwaltung für Volksbildung“ geleitet, die dafür schon 1945 in Berlin gegründet wurde. Doch vor Beginn dieser Reform waren schon die Privatschulen und der schulische Religionsunterricht von der Sowjetischen Militär- Administration (SMAD) verboten worden. Außerdem wurde der Zentralverwaltung für Volksbildung eine den 5 Ländern und ihren Behörden übergeordnete Verwaltungsmacht zu teil. Schritt für Schritt wurden alles Weichen gestellt: für den Zentralismus. Laut dem Gesetzt von 1946 wurde die alte deutsche Schule wie folgt gesehen:


„Die war Standesschule. Für die Söhne und Töchter des einfachen Volkes waren die Tore der höheren Schule und Hochschule in der Regel verschlossen […]“ (Herrlitz, Hopf, Titze, 1993, S. 174)


Das Gesetz stellt sich für die neue Schule vor:


„Die neue demokratische Schule muß frei sein von allen Elementen des Militarismus, des Imperialismus, der Völkerverhetzung und des Rassenhasses. Sie muß so aufgebaut sein, daß sie allen Jugendlichen, Mädchen und Jungen, Stadt- und Landkindern, ohne Unterschied des Vermögens ihrer Eltern das gleiche Recht auf Bildung und seine Verwirklichung entsprechend ihrer Anlagen und Fähigkeiten garantiert“ (Herrlitz, Hopf, Titze, 1993, S. 174/75)


Das Neue an diesem verabschiedeten Gesetz war, dass Bildung für alle Kinder, egal welcher Gesellschaftsschicht angehörig, zugänglich sein sollte. Die 8- jährige und einheitliche Grundschule wurde eingeführt, damit dies möglich werden konnte. Es gab ein Pflichtangebot ab der 5. Klasse eine moderne Fremdsprache zu belegen und ab der 7. Klasse konnte ein Kursangebot in einer weiteren Sprache, in Mathematik und den Naturwissenschaften wahrgenommen werden. Im Anschluss an die Grundschulzeit konnte man entweder die 4- jährige Oberschule besuchen oder eine in der Regel 3- jährige Ausbildung absolvieren, um ins Berufsleben zu starten. Die Oberschule bot ein mathematisch- naturwissenschaftlichen, einen neusprachlichen und einen altsprachlichen Kursunterricht an. Diese Schulform wurde mit der allgemeinen Hochschulreife, dem Abitur, abgeschlossen. Die Umsetzung dieser Aspekte in allen Schulen der DDR stellte sich jedoch als schwierig heraus, weil die meisten Schulen nur eine Klasse hatten oder kaum untergliedert waren und außerdem der Staat nebenbei auch weiterhin mit den Kriegsfolgen zu kämpfen hatte. Das bedeutete, alle Flüchtlinge und Vertriebenen mussten untergebracht werden, da fast alle alten Lehrer aufgrund des strengen Kurses der Entnazifizierung entlassen wurden, fehlte es an qualifizierten Fachkräften und der Staat musste weiter die Reparationen zahlen. Doch trotz dieser vielfältigen Aufgaben, die es zu bewältigen galt, wurden diese bildungspolitischen Aufgaben nicht vergessen oder vernachlässigt. Es wurden schnell Neulehrer ausgebildet, die Zahl an Schulen mit nur einer Klasse konnte gesenkt werden und viel mehr Kinder nahmen am Fremdsprachenunterricht teil. Mit dem bildungspolitischen Wirken wurde das Ziel verfolgt, Bildung für jede Gesellschaftsschicht zugänglich zu machen (proportionale Chancengleichheit) und das Bildungsmonopol der reichen Schicht aufzuheben. Jedes Kind sollte diesbezüglich gleich behandelt werden, wobei die Stellung und der Geldbeutel der Eltern außer Acht gelassen wurden und dem zufolge keine Vorrechte mehr versprachen. Die Einführung der Einheitsschule, die Landschulreform, die Öffnung der Oberschule, die vielen Neulehrer und das Herausfinden neuer Bildungswege zur universitären Bildung, um wirklich alle Möglichkeiten und Fähigkeiten der Gesamtbevölkerung ausschöpfen zu können, sollten dies erreichen. Diese Reserven wurden vorzugsweise bei der Arbeiterschaft vermutet und so gab es am 1945 die Begabtenprüfung und Vorstudienanstalten speziell für diese. Diese Vorstudienanstalten wurden ab 1947 den Universitäten angegliedert und ab ´49 als Arbeiter- und Bauern- Fakultät bezeichnet. So konnten auch die Arbeiter ohne Reifezeugnis zur Universität gehen. Das Wohl des Staates und der Gesellschaft standen im Vordergrund und wurden im Schulalltag deutlich, denn alles war darauf ausgerichtet. Die zu vermittelnden Inhalte wurden nicht mehr auf die Bedürfnisse der Schüler, sondern auf die des Staates zugeschnitten.


„Konstitutive Prinzipien wie die Achtung vor dem werdenden Menschen oder die Selbstständigkeit wurden aus ihrem weiten bildungs- und lerntheoretischen Begründungsursprung herausgelöst und auf die eine gesellschaftliche Zielvorgabe hin eingeengt: Achtung vor dem Kind hieß dann, im Kind den „werdenden Erbauer einer sozialistischen Zukunft“ zu achten“ (Herrlitz, Hopf, Titze, 1993, S. 180)

Mit der zunehmenden Zentralisierung der Macht der SED kam es gleichzeitig zu einer zunehmenden Ideologisierung der Bildungseinrichtungen. Dies wurde beispielsweise durch Jugendweihen oder das Flicht- Grundstudium des Marxismus- Leninismus deutlich. Eine nun offiziell angeordnete Orientierung an dem sowjetischen Vorbild ging damit einher. Die gesamte Volksbildung wurde ganz im sozialistischen Sinne an den industriellen Anforderungen orientiert.

„Die Schule muß auf der Grundlage des Marxismus/Leninismus in den Unterrichtsfächern die fortschrittlichen Ergebnisse der Wissenschaft, insbesondere der Sowjetwissenschaft vermitteln, um die Jugend zu befähigen, den Kampf… um die Erfüllung der im Fünfjahresplan gestellten Ziele erfolgreich führen zu können“ (1951) (Herrlitz, Hopf, Titze, 1993, S. 183/4)

Die Pionierorganisationen und die Freie Deutsche Jugend (FDJ), beides Apparate der SED, sollten den Aufbau des Sozialismus unterstützen und waren ein Teil der zunehmenden Ideologisierung. Durch das sowjetische Vorbild richtete man sich auch nach deren didaktisch- methodischen Grundsätzen und dem Bildungskonzept von Karl Marx. Danach gehörte zur Bildung nicht nur geistiges Können, sondern auch körperliches und polytechnisches, was bedeutet, dass den Kindern die Grundlagen und Abläufe der Produktionsprozesse mitgegeben wurden und der Umgang erklärt wurde. Die Schüler haben also auch noch eine praktische Bildung dazu erhalten. Die erneute Strukturreform von 1958 machte dies mit der Einführung der Polytechnischen Oberschule als 10- jährige Pflichtschule möglich.

Das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ (1965) gliederte die vorhandenen Bildungseinrichtungen wie folgt:

• Elementarstufe: vorschulische Erziehungseinrichtungen mit Kinderkrippe (bis 3 Jahre) und Kindergarten (bis Schuleintritt)

• Unterstufe der Polytechnischen Oberstufe (4 Schuljahre) – Hort angegliedert

• Mittelstufe (Klasse 5+6)

• Oberstufe (Klasse 7- 10)

o Abschlussprüfung Ende 10. Klasse

o nach P.O. Abiturstufe (wissenschaftliche und praktische Arbeit)

• Abitur über erweiterte Oberschule (2 jährig) oder Berufsausbildung (3 jährig).


Die bisherige 4- jährige Oberschule blieb erhalten, damit die Kinder auf mehreren Wegen ihren Abschluss absolvieren und zu ihrem Ziel, der höchstmöglichen Bildung, gelangen konnten.

Eine Diktatur?

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Eine Parteidiktatur zeichnet sich dadurch aus, dass die gesamte politische und militärische Macht innerhalb der Führungspartei liegt. Die Träger der Machtpositionen sind deren Mitglieder. Die Gewaltentrennung fehlt und Gesetze können willkürlich gemacht und verabschiedet werden. Es werden Scheinwahlen durchgeführt, bei welchen die Führungspartei stets die Mehrheit an Stimmen bekommt, und die Diktatur wird nach außen hin wie eine Demokratie verkauft. Hinzu kommt noch die Einschränkung der Grund- und Menschenrechte, vor allem der Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit. Zur Sicherung der Machtkonzentration und Überwachung der Bürger ist ein Überwachungsapparat zuständig.

In Bezug auf die sowjetische Besatzungszone bedeutet das: Das die utopische Definition des Sozialismus bzw. des Kommunismus nicht die vermeintliche Regierungsform der DDR war. Die Deutsche Demokratische Republik „war eine Diktatur, für die Einschüchterung, Überwachung und Terrorisierung der Bevölkerung zum Alltag gehörten.“ (Rainer Eppelmann, 1997, S. 8). Die gesamte staatliche Macht konzentrierte sich bei der SED. Die Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit sollte die Partei-Diktatur weiterhin sichern und die DDR wandte sich zu einem Überwachungsstaat. In diesem bestimmte die Regierungspartei (SED)genauso über die landwirtschaftliche und industrielle Produktion. Sie sorgte, nach sowjetischem Vorbild, mit der aufgesetzten Planwirtschaft nach fehlendem wirtschaftlichem Wettbewerb, setzte die Löhne der Arbeiter fest und deren Arbeitszeiten. Auch die Verstaatlichung der privaten Betriebe war ein wichtiger Schritt zur Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität. Dies alles sollte sowohl den Aufschwung und die Stabilität der DDR-Wirtschaft garantieren als auch die Arbeitslosigkeit minimieren.

Die Parteidiktatur hatte durch die Überwachung nicht nur Einfluss im Wirtschaftssystem, sondern auch in der Gesellschaft. Deren Treue, welche grundlegend für ein Weiterbestehen des Systems war, sollte schon möglichst frühzeitig gelehrt werden. Dies erfolgte durch Pionier-Organisationen und die Freie Deutsche Jugend (FDJ). Auch wenn die Mitgliedschaft bei diesen Gruppen freiwillig war, wurden Jugendliche automatisch darin aufgenommen. Nach der Schullaufbahn und mit dem Erreichen der Volljährigkeit konnte ein Eintritt in die SED erfolgen. Erst nach erfolgreicher Aufnahme in die Regierungspartei und nach den speziellen SED-Schulungen war es möglich für die Bürger gewisse hohe Leitungspositionen im Staat, in Massenorganisationen oder in der Wirtschaft zu bekommen. Diese „[...] Schulungen waren sowohl Mittel zur ideologischer Beeinflussung, zur politischen Weiterbildung, zur Unterdrückung abweichender Meinungen, zur Entlarvung ideologischer Gegner als auch zur Dokumentation der Parteitreue.“(Rainer Eppelmann, 1997, S. 685). Besonders parteitreue Mitglieder, die diese Schulungen absolvierten, bekamen bessere und rentablere Posten. Der Einfluss des DDR-Regimes war natürlich auch im Schulwesen bemerkbar. Schüler wurden genauso überwacht wie die Gesellschaft und Wirtschaft. Die Mehrheit der Schullehrer und Universitätsdozenten/-professoren waren auch SED-Mitglieder und konnten den Schülern/Studenten, welche der Partei unsympathisch waren oder aus Familien kamen, die die SED als ideologische Gefahr ansah, Steine in den Bildungs- oder Berufsweg legen. Die Schullehrer, die in der Partei waren, hatten natürlich auch die Aufgabe die Schüler zur Parteitreue zu erziehen und diese zu dokumentieren, bei Bedarf die Parteiuntreue zu melden und die Schüler sogar der Schule zu verweisen und den Namen der Eltern auf die „Schwarze Liste“ zu setzen. Diese Kinder wurden auf ihrem Bildungsweg benachteiligt und bekamen nie die Chance beruflich leitenden Positionen ein zu nehmen. Das schlimmste Urteil war zum Staatsfeind deklariert zu werden und so dem Staatssicherheitsdienst in die Hände zu fallen.

Leitfadeninterviews

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Leitfaden

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a) Persönliche Angaben der Probanden

- Alter? Woher? Schulischer Abschluss/Beruf


b) Eingehen auf Schulsystem/Bildungsweg

- Wie lange zur Schule gegangen? (Von wann bis wann)

- Was ist Ihnen von der Schule besonders im Gedächtnis geblieben? (Strukturen, Abläufe, Regeln, Disziplin/Maßnahmen)

- Was war typisch? Wie lief ein typischer Schultag ab?

(bestimmte Lieder, Begrüßungen, Parolen, Betreuungsformen, gemeinschaftliche Aktivitäten) (FDJ)

- Waren Sie in der FDJ/ dem Verband der jungen Pioniere? Was hat Ihnen gefallen?

- Worin bestanden die Hauptabsichten dieser Vereine und wie eng spielten sie mit der SED zusammen?

- Wie weit ergänzten/beeinflussten diese die Bildung der Jugendlichen?


c) Fragen zum spürbaren Einfluss des Regimes in der Schule (Vorteile/Nachteile)

- Persönliche Erfahrungen/Kontakt mit Partei SED (Mitglied?)

- Wer traf wichtige Entscheidungen für die Schulentwicklung/Umstrukturierungen/Reformen?

- Wie haben Sie Parteipräsenz der SED empfunden?

- Welche Vorstellungen vom Staat (zum Regime) wurden in der Schule vermittelt? Wie haben Sie dadurch den Staat gesehen?

- Haben Sie den Vorstellungen des Staates zugestimmt? Was war für Sie von Vorteil/Nachteil?

- Wurde die Entnazifizierung auch in der Schule betont? Wie?

- Haben sich für Sie, aufgrund bestimmter staatlicher/ideologischer Regelungen, auf Ihrem Bildungsweg Hindernisse ergeben?

- Welche Rolle spielte die SED-Mitgliedschaft für den Bildungsweg?

- Wie weit hat die SED-Mitgliedschaft den Ausbildungsweg beeinflusst?

- Welche Auswirkungen hatten keine SED-Mitgliedschaft und andere politischen Einstellungen auf den Werdegang der Schüler/Studenten?

- Was beabsichtigte die Übernahme der polytechnischen Oberschule von der Sowjetunion?

- Wie stark hat die Bildungspolitik der SED die Auswahl der Leistungseliten unter den Schülern/Studenten gelenkt bzw. überwacht und sie für die Zwecke der Aufrechterhaltung und Stärkung der SED-Parteiführung der DDR eingesetzt?


[„Achtung vor dem werdenden Menschen/vor dem Kind“ war eine der Divisen der Bildungspolitik in der DDR, d.h. im Kind „den werdenden Erbauer einer sozialistischen Zukunft“ zu achten.]

- Inwiefern ließ dies einen Spielraum für Schüler sich mit nicht sozialistischen Werten und Vorstellungen zu beschäftigen bzw. wurde diese Einsichtenvermittlung kontrolliert und verfolgt?

- Wurden Ansichten, die nicht den Vorstellungen des Regimes entsprachen, unterdrückt? Wie?


[Ein wichtiger Aspekt der Bildungspolitik der DDR war die proportionale Chancengleichheit (1950er). Dies sollte den Kindern aus den niedrigen sozialen Gesellschaftsschichten den Zugang zur Höchstmöglichen Bildung ermöglichen.]

- Inwiefern sollte mit dieser „positiven Diskriminierung“ der Arbeiterkinder die Absicht verfolgt werden, die Bildungspolitik für die „einfache“ Bevölkerung attraktiver zu machen, diese zu „bevorzugen“ und somit die anders denkende, höhere, reichere und somit revolutionäre Gesellschaftsschicht zu benachteiligen?

Auswertung der Interviews

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Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4
Geschlecht/Alter Weiblich/75 Männlich/77 Weiblich/48 Männlich/45
Herkunft Liegnitz (Schlesien/Polen) Schlesien/Polen, Erxsleben (Sachsen- Anhalt) Sachsen- Anhalt, Magdeburg Brandenburg, Neuenhagen
Wo zur Schule? Liegnitz/Braunschwende (Thüringen) Schlesien/Erxsleben Magdeburg Dorf Neuenhagen, Brandenburg
Ausbildung/Beruf Großhandelskaufmann/frau Maschinenschlosser, bei der Eisenbahn gelernt, Meister, Bereichsleiter Studium zur Russisch/Englisch-Lehrerin von 1982 bis 1987 Mechaniker für Elektromontage
Wie lange zur Schule? 1944- 1952,

8 Klassen besucht (noch keine 10)

1942- 1950

8 Klassen besucht, durch Krieg 2 Jahre vor Ausweisung (Schlesien) keine Schule, danach im Schnelldurchlauf, da älter, Möglichkeit auch noch die 8. Klasse zu besuchen

1970 bis 1973 in Magdeburg an der Ernst-Thälmann-Oberschule (1.,2. Klasse; 10- klassige Polytechnische Oberschule), ab 1973 an der Juri-Gagarin-Oberschule (3.- 8. Klasse), eine Russisch-Schule, 9.- 12. Klasse Humboldt- EOS (Erweiterte Oberschule)- Abitur, 1970- 1982 1.- 10. Klasse, 1974 bis 1984
Von der Schule besonders im Gedächtnis geblieben Gedichte lernen, Musikunterricht, Theater,

Neulehrer Russisch ab der 5.Klasse (Eltern noch wenig Verständnis dafür, da ehemaliger Kriegsgegner) weniger in den 8 Jahren gelernt als heute üblich, langsamer bei Wahlen über Land gefahren und Parolen aufgesagt Landschule mit 2 Räumen (1: 1.- 4. Klasse, 2: 5.- 8. Klasse) ein wenig Wettbewerb – Wer ist der Beste? alles disziplinierter als heute, Respekt vor Erwachsenen

Einheitsschule/Zentralschule (für mehrere Orte, ab 7. Klasse), große Klassen,

Altlehrer (aus Nazizeit) Angebot von Sportvereinen Russischunterricht ab der 5. Klasse Pionierzeit (ab 3. Klasse), kein muss, aber waren alle anderen auch, wurde selbst zum Freundschaftsrats-vorsitzenden gewählt (unfreiwillig) Schulgarten, Schulhof mit Barren, Sandkasten, Reck Einführung der kostenlosen Schulspeisung (Suppe mit Brot)

Fahnenappell jeden Morgen an der Schule, bei entsprechender Witterung helle Kleidung und Blauhemd als Pionier, Wandertage waren sehr schön, es gab auch Theatervorstellungen, hatten sehr viele Arbeitsgemeinschaften, Werkunterricht, Chor und Sängergruppen, Mittagessen an der Schule Sommerferien 8 Wochen, Klassenverband blieb von der 1. bis 10. Klasse gleich
Mitglied in der FDJ erst Pionier

Mitglied, erst nach der Ausbildung

ja, aber erst nach der Schulzeit in der Lehre aufgenommen bei den Jungpionieren (1. Klasse), dann Ernst Thälmann- Pionier und ab 7. Klasse bei der FDJ ab der 7. Klasse
Besonders an Mitgliedschaft/

Motivation

wollte jeder gern dabei sein, dazu gehören

Pioniernachmittage, Beschäftigung (Vgl. mit heutigem Hort, war etwas Schönes), ohne Zwang

machten Ausflüge, Fahren FDJ-Lehrjahr mit Unterdrückung der Meinungsäußerung, Tabu für manche Themen (vor allem z.B. politische Einstellung), große FDJ-Veranstaltungen wie FDJ-Treffen, Pfingsttreffen der FDJ-ler, Reisen als Belobigung für besondere Leistungen es war immer freiwillig und man konnte tolle Sachen machen/verschiedene Veranstaltungen besuchen, über den Betrieb der Eltern 2 Wochen in die Ferien, ins Ferienlager fahren, war was Besonderes
Absicht der FDJ hinter dem Staat stehen, Entwicklungen positiv sehen, alle was man kann für die Zukunft einsetzten (Forderung an jeden)

nicht das Gefühl politisch erzogen worden zu sein

um ein Kader für die Partei zu bilden

Leute bei der Stange für den Staat gehalten

FDJ ist der Vorläufer der SED, Mitglieder aus den Reihen der FDJ-ler rekrutieren, politische Schulung Vermutung: um ein neues Kader für die SED heranzubilden (neue Mitglieder)
Kontakt/Erfahrungen mit der SED nein, musste nicht eintreten, um Arbeit ausüben zu können ja, war Mitglied

nach Ausbildung + 2- jähriger Arbeit, wurde angesprochen von väterlichen Freund auf Versammlungen eigenen Standpunkt vertreten – ist nicht immer so marschiert wie gedacht

Vater war in der SED, man war immer von Leuten umgeben die in der Partei waren, 2/3 der Lehrkörper waren in der Partei, selbst auch, sonst kein Studium Schwiegervater, Vater, Lebensgefährtin waren bei der SED, selber direkt bei der Parteizeitung gearbeitet (Verlag „Neues Deutschland“), wollte kein Mitglied werden, obwohl gefragt wurde
Wichtige Entscheidungen für die Schulentwicklungen traf… die Regierung der Staat hat sehr wichtige Entscheidungen getroffen, nicht nur Reiche konnten eine gute Ausbildung/Studium machen, ging nach Können

kinderreiche Familien wissentlich unterstützt

Eltern auf Empfehlung der Schullehrer/Klassenleiter, Förderung der Kinder von der Seite der Schule aus war für Eltern positiv als Kind sich damit nicht richtig auseinandergesetzt
Parteipräsenz nicht wahrgenommen alles erst so richtig nach der Schulzeit wahrgenommen viele Lehrer waren Genossen, provokante Fragen wurden im Staatsbürgerkundeunterricht abgewürgt, Mathematiklehrer war Parteisekretär Pionierleiter in der Schule, die waren ja alles Parteikader/Parteimitglieder
Vermittelte Vorstellungen vom Staat Entwicklungen des Staates sind fürs Volk

„Für das Volk, mit dem Volk, für das Volk“ keinen Druck gespürt, positive Entwicklungen mit verfolgen können - es ging Berg auf

einmal pro Woche Zeitungsschau- Besprechung politischer Nachrichten Bildung einer Gemeinschaft, sozialistische Vorstellungen, Lehre von Karl Marx alles was dazu gehört, besonders im Staatsbürgerkundeunterricht
Bild vom Staat Positives

Staat war zu großzügig, hat alles Mögliche unterstützt Flüchtlinge bekamen ein wenig Land mit Häuschen erarbeiteter Gewinn für die Masse eingesetzt Staat muss man vielleicht irgendwann mal verteidigen

sehr positiv, durch staatliche Unterstützung der Familie (20 Mark im Monat) ein Jahr länger zur Schule (Verzögerung durch Krieg, Ausweisung)

Mithelfen beim Wiederaufbau (Sammeln von Kartoffelkäfern, Larven- gegen Geld)

etwas restriktiv, grad beim Reisen, Scheinwahlen, Staat mischte sich überall ein, Stasi war ein negativer Aspekt, gab auch durchaus positive Dinge durch die Vermittlung damals, waren wir eigentlich die Guten, Hundertpro!
Nachteile durch den Einfluss des Staates Später, als viele in den Westen abgehauen sind,

in der DDR ausgebildet, noch Schulgeld oder so bekommen und dann waren sie weg (Westen profitierte) viel später sind einige auf die Straße gegangen, um ihren Unmut aus zu drücken (gegen die Mauer)

war zu der Zeit noch nicht, ging noch über die Grenze wurde manchen Leuten Steine in den Weg gelegt, sie durften nicht studieren, Einsperren von manchen Leuten, die ausreisen wollten, kritische Meinungsäußerung konnte zu Schwierigkeiten führen haben bestimmten Leuten, kirchlich Erzogenen, Steine in den Weg gelegt, oder Leuten die Ausreiseanträge gestellt haben und deren Familien, persönlich keine Nachteile
Entnazifizierung Nicht viel davon mitbekommen

Neulehrer Parole: „Nie wieder eine Waffe in die Hand!“

ja, mitbekommen, die meisten Nazis sind in den Westen abgehauen,

hatte alte Lehrerinnen, aber alle nicht aus dem Harz, auch durch Krieg umgesiedelt, die waren kurz vor der Pensionierung, falls mal in der Partei gewesen, wurde es nicht erzählt

persönlich nicht, man hat was in der Zeitung gelesen, aber sonst nicht Schulleiter war in der Hitlerjugend, viele Nazis sind in die BRD abgehauen, sonst nichts mitbekommen
Hindernisse auf dem Bildungsweg aufgrund staatlicher Regelungen für mich nicht

zu sehr Kirchgänger – hat dies beeinflusst, kein Studium möglich

nein, wenn man fleißig war, konnte man schon ein gutes Stück vorankommen nein, das was ich dann werden wollte, konnte ich werden, es gab auch NC bei manchen Studiengängen, persönlich keine Hindernisse oder Nachteile, manche Bekannte wurden aber teilweise exmatrikuliert wegen Ausreiseanträgen nein, überhaupt nicht, einen handwerklichen Beruf konnte man erlernen wie man wollte
Auswirkungen der SED- Mitgliedschaft für den Ausbildungsweg nein

Mitglied im Gewerkschaftsbund Freier Deutscher Gewerkschaftsbund

nein, weder zum Vorteil, noch zum Nachteil,

regelmäßig zu den Versammlungen (1x pro Monat), wenn man frei hatte

große,

ebnete einem vieles, es war sehr förderlich, die meisten Kombinationsleiterposten waren nur mit Genossen der SED besetzt

kam auf Berufswunsch an,

höhere Führungsposition- Mitglied sein, sehr förderlich für Bildungs-/Berufsweg, (außer man hatte Beziehungen – dann auch ohne möglich)

Einschnitte aufgrund anderer politischer Vorstellungen nein, keinen Grund dazu

was Staat gemacht hat als richtig empfunden

nein,

ein guter Freund hat gesagt, wenn man sich gegenüber dem Parteisekretär über dessen Verhalten (betrunken auf der Straße) abfällig geäußert hatte, man solle vorsichtiger sein, weil man heute damit an der obersten Spitze angelangt war

als Student konnte man exmatrikuliert werden, Schüler konnten auch der Schule verwiesen werden bei krassen Verstößen, dadurch wurden dann die Eltern ins schlechte Licht gebracht und aus ihren Betrieben sogar entlassen überhaupt nicht
Wie stark hat die Bildungspolitik die Leistungseliten gelenkt? bei jedem Studium Politikunterricht nicht wahrgenommen na, ganz stark. Es wurde ausgewählt von unten nach oben. Wurde persönlich ausgewählt wegen Unterforderung und empfohlen für die Russisch-Schule. Eltern waren zufrieden, denn Förderung der Kinder konnte diesen ja nicht schaden. Persönlich von der Frau des Professors beim Studium begünstigt ja, absolut,sollte ja auch im Sinne der Partei- und Staatsführung sein
Einstellungen, die denen des Staates nicht entsprachen, unterdrückt kann schon sein, selbst nie betroffen

nichts aufführbar, was wohl nicht in Ordnung war

nein, ist persönlich nicht untergekommen, hing auch von Stärke des Kollektives ab wenn man den Mund zu weit „westlich“ aufgerissen hatte, bekam man Schwierigkeiten wenn sie dich auf dem Kicker gehabt haben durch irgendwas, dann bist du natürlich Repressalien ausgesetzt gewesen

Haben die Probanden nun das Schulsystem als diktatorisch und sozialistisch erlebt?

Anhand der erfassten Daten lässt sich deshalb folgendes zusammenfassen:

Auffällig ist vor allem, dass alle 4 Befragten ein klares positives Bild vom DDR- Staat haben, da sich in vielen Quellen ein deutlich negatives Bild abzeichnet. Sie können durch eigene Erfahrungen direkte Vergleiche ziehen zwischen dem vorherigen und späteren Staatssystem. Natürlich sind sie in der DDR aufgewachsen und dadurch geprägt worden, doch nach der Wende 1989/90 wurden einige Dinge über das System veröffentlicht, die dieses positive Bild hätten trüben können. Trotz reflektierter Überlegungen hat es sich jedoch gehalten.

Alle 4 Befragten sind in der DDR zum Großteil sozialisiert worden. Probandin 1 und Proband 2 sind Flüchtlinge aus Schlesien, aber genauso im sozialistischen System zur Schule gegangen, jedoch nur 8 Jahre. Jeder hat eine erfolgreiche Ausbildung absolviert, nur Probandin 3 hat studiert.

Als Vorbild diente dem Schulsystem das System der Sowjetunion, was beispielsweise die Übernahme der Polytechnischen Oberschule zeigte.

Jeder Proband hat individuelle Erinnerungen an seine Schulzeit. Probandin 1 erinnert sich genauso wie alle anderen Probanden an den Russischunterricht ab der 5. Klasse. Außerdem herrschte ein reger Wettbewerb unter den Schülern, die Erwachsenen wurden mit sehr viel Respekt behandelt und wenn Wahlen anstanden, dann wurden von den Klassen Parolen gerufen. Proband 2 hat von der Einheitsschule erzählt, den Altlehrern, seiner Verantwortung als Freundschaftsratsvorsitzenden und der guten Ausstattung des Schulhofes. Probandin 3 hebt die vielen Schulangebote (AG, Chor,…) hervor und den Fahnenappell. Für Proband 4 stand besonders der Klassenverband, die Gemeinschaft im Vordergrund, die von der 1. bis zur 10. Klasse erhalten blieb. Alle aufgezählten Merkmale sind Variablen des sozialistischen Regimes, die dem Aufbau des Sozialismus dienen sollten. Neben der Schule gab es diverse Pionierorganisationen und natürlich die FDJ. Diese hatten nicht nur in der Schule Einfluss auf die Kinder, sondern auch außerhalb. Von den Probanden waren alle 4 freiwillig bei der FDJ und vorher bei einer Pionierorganisation. Das gehörte einfach dazu und wurde auch kaum hinterfragt, da man sonst außen vor war. Beim Hauptziel der FDJ waren sich alle Probanden einig. Diese Organisation sollte neue Mitglieder für die SED aus den eigenen Reihen ausbilden. Sie bildete die Kinder politisch, natürlich in vorgegebene Richtung, und bereitete die Geeigneten für die Mitgliedschaft in der SED vor. Die Zugehörigkeit zur FDJ brachte natürlich auch Vorteile wie Ausflüge oder Fahrten als Belobigung und diverse große Jugendtreffen, wie das Pfingsttreffen. Diese stärkten wieder die soziale Gemeinschaft. Die FDJ war eine sozialistische Jugendorganisation nach Vorbild der Sowjetunion, die selbst eigene Pioniergruppen und -organisationen hatte, die auch die Vermittlung der ideologischen Regierungsform bestärken sollte.

Proband 2 und Probandin 3 waren selbst Mitglieder der SED. Auch die anderen 2 Probanden wurden angesprochen, hatten aber kein Interesse und mussten auch nicht Mitglied werden, um den gewünschten Beruf zu erlernen oder auszuüben. Kontakt zu SED- Mitgliedern hatten sie aber. Doch die Mitgliedschaft oder die Bekanntschaft eines Mitglieds wurde nicht als bedrückend empfunden. Die Mitgliedschaft war aber, laut mehrerer Aussagen, Voraussetzung für ein Studium (siehe Probandin 3) oder das Erreichen höherer Positionen. Probandin 1 und Proband 4 hatten ohne die SED- Mitgliedschaft keine Nachteile bezüglich ihres schulischen oder beruflichen Werdegangs. Die Präsenz des SED-Einflusses wurde von den ersten 2 Probanden während der Schulzeit nicht wahrgenommen. Den anderen Probanden war bewusst, dass viele Lehrer Genossen waren und die Pionierleiter auch zu den Parteimitgliedern zählten, wodurch das System jederzeit präsent war, jedoch nicht als störend empfunden wurde. Trotzdem konnte es so alles kontrollieren, was aber von den Probanden auch nicht so dargestellt wurde. Kinder beschäftigen sich in dem Alter auch eher mit anderen Dingen beschäftigt. Obwohl Proband 2 und Probandin 3 sich kritisch und öffentlich gegen das Regime geäußert haben, wenn sie es für angebracht hielten, waren sie keinen Repressalien ausgesetzt und mussten keine Hindernisse auf ihrem Bildungsweg überwinden. Das lag zum Teil vermutlich auch an den guten Leistungen, die sie erbrachten. Probandin 3 wurden sogar Vorteile zu teil. Für sie wurde sogar ein gutes Wort von einer Dozentin bei einem Professor eingelegt, der bei der SED war. Die Probandin wurde in den unteren Klassen für die Russisch-Schule empfohlen. Mit schlechteren Leistungen und wenn man auch noch christlich gesinnt war, war man, laut Aussage von Probandin 1 und Proband 4, eher Einschränkungen ausgesetzt. Darüber waren sich alle Befragten einig, jedoch hat es keiner selbst oder in seinem näheren Umfeld miterlebt. Trotz alle dem war es natürlich riskant sich gegen den Staat zu äußern, da überall STASI und SED-Genossen dabei waren.

Auch wenn die Regierung die wichtigen Entscheidungen für das Schulsystem und die Schulentwicklung traf, welche unter anderem Kindern aus weniger reichen Familien das Studium ermöglicht hatte, hatten die Eltern die Option die jeweilige Förderung für ihre Kinder anzunehmen. Die schwächeren Kinder wurden nicht ausgegrenzt, sondern mit in die Gemeinschaft eingeschlossen, was die Absicht des sozialistischen Denkens war. Im regelmäßig stattfindenden Staatsbürgerkundeunterricht wurden Werte und Ansichten des Staates und der Regierung vermittelt. In diesem Fach wurden heikle Themen und kritische Meinungen abgewürgt, laut 3. Probandin, und somit Tabus aufgestellt. Die Ideologie des Sozialismus zur Bildung einer Gemeinschaft war wohl die Hauptabsicht hinter der indoktrinierten Staatsbürgerkunde.


Es ist sehr schwierig anhand der erfassten Daten die entscheidenden Merkmale des diktatorischen Regimes in den Aussagen der Probanden zu finden und einzelne Komponenten des Staatsapparates auf die Schule oder das Studium zu übertragen. Alle Probanden hatten keine Nachteile durch den angenommenen Einfluss der Führungspartei in der Schule, Studium oder Beruf. Auch Vorteile hielten sich in Grenzen. Die Präsenz der SED war, außer in der FDJ und den Pionierorganisationen, kaum spürbar. Jedoch lässt sich der sozialistische Einfluss mit den genannten Merkmalen festmachen. So schein die Hypothese zum Teil falsifiziert und zum Teil verifiziert. Das DDR- Regime erscheint nicht diktatorisch, aber sozialistisch. Wenn wir uns auf eine Aussage festlegen sollten, dann wäre die Hypothese falsifiziert, da sie sich nicht vollständig bewahrheitet hat.

Für weiterführende Untersuchungen müssten die Kriterien für die Überprüfung der Hypothese spezifiziert und die Auswahlkreis der Probanden erweitert werden.

Herrlitz, H.- G.; Hopf, W.; Titze, H. (1993): Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart. Eine Einführung. S. 173- 201, Juventa Verlag, Weinheim und München

Rainer Eppelmann (1997): Lexikon des DDR Sozialismus: das Staats- und Gesellschaftssystem der Deutschen Demokratischen Republik; S. 7 – 25; S. 684 – 686 ; Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn

http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Sozialismus (28.03.2013, 17:03; 29.03.2013, 18:23)

http://www.marxistische-bibliothek.de/sozialismus-in-der-ddr/ (28.03.2013, 17:03)

http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/basiswissen_ddr.htm#bwparteidiktatur (29.03.2013, 17:23)

http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Kommunismus (29.03.2013, 19:33)



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